Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 5 (5.1849)
- Date
- 1849-05-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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86 am Tage vor Neujahr in der Donau baden wollte, riß ihn der Strom fort, und er wäre um's Leben gekommen, wenn ihn nicht Jemand unter eigener Lebensgefahr gerettet hätte. Er wurde so den Seinen in's Haus gebracht, und sie bestimmten ihn dazu, jeden wiederkehrenden Rettungstag zu fasten, um sich Gott dankbar für die Fristung seines Lebens zu zeigen. Auf jein Verlangen verließ er wieder das Vaterhaus und begab sich zu seinem Bruder, der Lehrer an der jüdischen Gemeinde in B. bei D. war. Dort langte er den 24. August 1827, also 16 Zahl alt, an. Sein Bruder verschaffte ihm in der Nähe eine Lehrerstelle, wo er acht Kinder zu unterrichten hatte; aber sein Widerwillen gegen dies Amt und feine Lust nach einem Handwerk wuchs immer mehr, so daß er keine Ruhe fand, bis ein Freund seines Bruders diesem seinen entschiedenen Willen, ein Handwerk zu erlernen, entdeckte und dieser darauf einging. Es war dies bisher von den Seinen deshalb hintertrieben, weil sie, und nicht mit Unrecht meinten, mit dem Handwerke nehme ihr Joseph auch das Christenthum an. Zn der Thal wollte Zoseph auch nur zu einem christlichen Meister, und obgleich er noch wenig vom Christenthum wußte, so betete er doch bereits das „Vater Unser," das er oft beim Nachbar Hubert gehört hatte. Oft dachte er, wenn dir doch jemand das Verständniß des Vater Unser beibrächtr, aber obgleich er nicht alles verstand, betete er es dennoch, und setzte hinzu, lieber Gott, es beten dies Gebet so viele, die es vielleicht auch nicht verstehen, und du läßt sie doch Christen sein, und erhörst sie, so erhöre auch den Zoseph. Nach langem Harren kam er endlich den. 24. August 1828 bei dem Weber A. G. in H. in die Lehre. Sein Meister war zwar ein Zude, hielt aber nicht auf die jüdischen Gebräuche, besuchte christliche Gesellschaften und erlaubte es , daß Zoseph während seiner Lehrzeit oft christlichen Gottesdiensten beiwohnte. Der erste gleich machte auf ihn einen tiefen Eindruck, solche Andacht hatte er niemals in der Synagoge empfunden; er bekam eine Freudigkeit, die er nicht kannte, und einen Schmerz über seine Glaubensgenossen zugleich.