Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1849-05-01 · 5 (5.1849) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
5 (1849)
Issue
5 (5.1849)
Date
1849-05-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554598-2554604--01013-2556829
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

83 während des Tages durchaus Nichts bekommen konnte, so war mir die Gastfreundschaft meiner jüdischen Freunde um so willkommener. Da die Gegend wegen der räuberischen Kurden unsicher ist, so gab mir der Kiahja (Burgemeister) die Nacht hindurch vier Juden zur Wache. Sie waren gleich ihren Muhamedanischen Nachbarn mit Schwertern und Pistolen bewaffnet, und lagerten sich furchtlos in der Nähe des lodernden Feuers auf den harten Boden, Kurdische und Hebräische Lieder singend, bis der Tag beinahe graute, wo ich sie dann ihres Dienstes enthob. Noch vor Sonnenaufgang kamen die Rabbiner, mich in das Haus des Kiahja zu laden, wo, wie sie sagten, sich die Juden bald versammeln würden. Ich begleitete sie und freute mich, jeden Steig zu seiner Wohnung von meinen ungläubigen Brüdern voll zu sehen. Die Rabbiner hatten sich augenscheinlich vorbereitet, die Wahrheit unsrer heiligen Religion auf dem betrüglichen Probirsteine des Rabbinismus zu prüfen. Sie führten verschiedene Stellen aus dem Thalmud dagegen an, welche jedoch, wie sie bald entdeckten, nur dazu dienten, sich noch mehr zu verwickeln und zu verwirren, so daß sie genöthigt waren zu bekennen, daß alles, was die Rabbiner geschrieben haben, dunkel und ungewiß sei, und folglich, fügte ich hinzu, müßt ihr zum Gesetz und Zeugniß zurückkehren, woraus ihr lernen werdet, daß der Mensch schlecht und unrein ist, und nur durch den Glauben an den selig werden kann, der die Gottlosen rechtfertigt. Die ganze Versammlung sah mit Erstaunen und Verwunderung auf mich wegen so fremder Dinge, wie sie diese Lehre nannten, die sie zuvor nie gehört hätten. Zch verkaufte 10 Bibeln, vertheilte 12 Neue Testamente, einige Exemplare von dem Wahren Zsraeliten rc. Am Nachmittage kamen sechs Zuden mit ihren Heerden vom Gebirge. Es waren schwarze, verschmitzt aussehende Menschen, und unterschieden sich in Sprache, Anzüge und Waffen wenig von den Kurdischen Hirten. Zch bot ihnen einige Tractate an, aber sie erwiederten: „Unsre Beschäftigung ist die Schaafe zu weiden, und wir überlassen es den Rabbinern über Bücher nachzudenken." (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.