Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 11 (11.1848)
- Date
- 1848-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Zweifel darüber obwalten könne, daß das Volk Israel «ach der Schrift nur seiner Treue wegen gegen Gott und nur wegen seines Festhaltens an der Lehre der Schrift alle Schmach und Leiden erduldet habe, und bis auf den heutigen Tag noch nicht in alle Rechte der Völker eingesetzt sei. Ganz dasselbe finden wir auch auf dem Gebiete des Christenthums, ja zu unsrer Schande -sei es gesagt, die Christen find den Juden, wenigstens in neuerer Zeit, in Verdrehung und Leugnung der Schriftwahrheiten vorangegangen. Das Neue Testament lehrt, daß ZefuS nicht bloß Mensch, sondern zugleich auch wahrhaftiger Gott sei, und dies ist auch von jeher Lehre der ganzen christlichen Kirche gewesen, und dennoch hat man dies geleugnet und für eine Erfindung müßiger Köpfe in spätem Jahrhunderten ausgegebm. Ebenso lehrt auch das Neue Testament und wenigstens die evangelische Kirche, daß der Mensch allein durch den Glauben an das Verdienst Jesu Christi vor Gott gerecht werden könne; in unserer Zeit aber will man von dieser Wahrheit nichts mehr wissen, sondern sagt, der Mensch müsse sich die Gerechtigkeit, die vor Gon gilt, selbst erwerben, und scheut sich dabei nicht, dies als Lehre der Schrift und Kirche auszugeben. Die Schrift lehrt, daß der Eid heilig sei und, ohne die Zorygerichte Gottes nach sich zu ziehen, nicht gebrochen werdm kann; aber wie Wenige find es, die dies noch wahrhaft glauben? So gebietet uns auch die Schrift, der Obrigkeit unterchan zu sein, und das nicht allein der guten, sondern auch der bösen und wunderlichen, heut zu Tage aber werden diejenigen als Gerechte und Gottes Lieblinge gepriesen, welche Aufruhr anstiften und die Obrigkeiten morden. So und »och viel schlimmer sieht es heut zu Tage in der Welt aus unter Juden und Christen. Tausende und aber Tausende, ja die meisten Menschm wissen nicht mehr, was Religion ist; wissen nicht mehr Wahrheit von Lüge, Recht von Unrecht zu unterscheiden. Es herrscht unter unserem Geschlechte eine wahrhaft babylonische Sprachverwirrung in jeder Beziehung. Daher chut es jetzt gewiß mehr als je Noch, daß wir keine Lehre so aufs Geradewohl als Wahrheit und als Lehre der Schrift, oder 13»