Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 9 (9.1848)
- Date
- 1848-09-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554584-2554594--00867-2556675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in jenen Zeiten des auf ihnen lasttttden Druckes ihr Betragen gegen die Völkerunter dmen sie lebten, das der Unterdrückten gegen die Unterdrücker war und sie von dem Vorwurfe habsüchtiger Hinterlist und wucherischer Ungerechtigkeit nicht frei zu sprechen find, so haben doch alle die Beschuldigungen wegen Vergehungen gegen die öffentliche Wohlfahrt, als Vergiftung von Brunnen, heimliche Ermordung von Christenkindern, um mit ihrem Blute die Dsterkuchen zu bereiten u. dergl. sich nur als heillose Erfindungen boshafter oder nach dem Gute der Juden lüsterner Feinde erwiesen, und man kann nicht sagen, daß die Juden das Gebot des Herrn vergessen hätten, das er ihnen durch den Propheten Zeremias (Kap. 29, 7.) geben ließ: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen und betet für sie zum Herrn; denn wenn es ihr wohlgehet, so gehet es euch auch wohl." Zhr inneres Familienleben aber blieb allezeit rein und der Zusammenhang des Volkes unter einander ausgezeichnet durch gegenseitige Treue und Liebe. — Und dennoch waren sie unter dem Drucke, dennoch sah der Herr ihr Fasten und Beten und ihre eifrige Beobachtung aller talmudischen Satzungen nicht an, hörte nicht auf ihre Bitten um Wiederherstellung ZionS und seines Tempels, denn er sammelte sie nicht aus der Zerstreuung und wendete ihr Gefängniß nicht, daß er den auf ihnen lastenden Druck erleichtert hätte, sondern es schien fast, als sollte dieser Druck um so härter werde», je mehr sie an das Gesetz sich anklammerten, je eiserner sie an den Satzungen festhielten und Alles, was sich mit der durch die Zerstreuung so gänzlich veränderten Läge des Volkes irgend noch vereinigen ließ, sorgfältig erfüllen. Zn neuerer Zeit dagegen hat sich die Lage der Juden in vielm Ländern merklich geändert. Bon einer nahe bevorstehenden Sammlung des Volkes sind zwar noch keine in die Äugen fallenden Anzeigen oder sichere Vorboten vorhanden, aber doch hat sich der Herr schon ihrer erbarmt und ihr Gefängniß gewendet. In einigen Ländern sind sie den übrigen Bewohnern in Bezichung auf alle bürgerliche und politische Rechte schon völlig Mchgrstellt, in anderen sind wenigstens die meisten der Be-