Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 8 (8.1848)
- Date
- 1848-08-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554584-2554593--00845-2556652- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
133 Sollten sie, so fragen nun die Juden weiter, das Alles ohne Ursache gethan haben? Läßt sich diese unerschütterliche Beharrlichkeit unserer Väter etwa nur aus einer natürlichen, dem jüdischen Volke eigenen Hartnäckigkeit erklären? Wäre nicht diese Hartnäckigkeit eine ganz unnatürliche und unerklärliche, wenn man nicht annehmen wollte, daß sie aus einer inneren tiefen und unerschütterlichen Ueberzeugung von der Wahrheit ihrer alten Religion hervorging? Denn wer wird sich doch gegen eine ihm dargebotene bessere Ueberzeugung muthwillig und beharrlich verstocken, wenn die Annahme derselben ihm nicht Schaden, sondern Bortheil bringt? Oder läßt sich jene Beharrlichkeit aus anderen natürlichen Ursachen, etwa aus dem innigen, einem Familienbande ähnlichen Zusammenhänge des Volkes erklären? War nicht dieser Zusammenhang vielmehr selbst erst das Resultat der gegen de» von außen andringenden Sturm sich zu schützen suchenden Ueberzeugung, indem der für seinen Glauben leidende Zude sich unendlich stärker zu dem gleichfalls leidenden Glaubensgenossen hingezogen fühlte, als zu dem Verfolger? Deutet also dieses Alles nicht vielmehr darauf hin, daß die Zuden das, was sie gelitten haben, nur als Träger einer großen Idee haben leiden müssen? Und sollte dann dieses Leiden vergeblich sein? Sollte die Idee, für welches ein ganzes Volk Zahrhunderte lang wie ein Mann Gut und Blut eingesetzt hat, nicht endlich noch siegen und alsdann die muthigen Träger derselben sich endlich der verdienten Anerkennung ihrer Mitmenschen rrsteuen? So fragen die Zuden und glauben, indem sie sich diese Fragen nach ihrem Sinne beantworten, darin eine Berechtigung zu den kühnsten Hoffnungen für die Zukunft und zugleich eine Lösung des Räthsels der Vergangenheit zu finden. Die Zerstreuung Israels, welche den Zuden der Vorzeit vou der Zerstörung Zernsalems an bis auf die Väter des gegenwärtigen Geschlechtes herab als ein Unglück und eine fortgesetzte Strafe Gottes galt, um deren baldige Abwendung sie täglich beteten, erscheint denen unter dem gegenwärtigen Geschlechte, die von den oben erwähnten Hoffnungen durchdrungen sind, in einer ganz an-