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Dibre Emeth · 1848-06-01 · 6 (6.1848) · page 19

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Journal
Dibre Emeth
Volume
4 (1848)
Issue
6 (6.1848)
Date
1848-06-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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107 auf diese Stunde sänktionirt. Der auftnerksame Beobachter des jüdischen Volkes wird mit Erstaunen erfüllt: wie bei allem Umschwung der Zeit und Veränderung der Formen im Wesentlichm die beiden Hauptpartheien Israels, Sadducäer und Pharisäer, noch immer dieselben sind, wie sie so zart, wahr und bestimmt im Neuen Testamente gezeichnet sind. Aber wozu soll Alles dies gesagt seyn, allenfalls nur zum alten Judenhaß zu reitzeu? Das sei ferne. Im Gegentheil glauben wir, wie schon bemerkt, wahre, tragende, aufopfemde, sich gegenseitig anerkennende Liebe ist nur eine Frucht der Wahrheit. Wollen die verschiedenen Religionsgemeinschaften wirkliche Duldung auf die Dauer üben, so sei man vor Allem gegen einander wahr, — verwische die Gegensätze nicht; denn der Lügenfirniß hält doch nicht lange. Wir sind uns des Gegensatzes zu dem bestehenden Zudenthume bewußt und dennoch ist uns das jüdische Volk und jeder einzelne Jude lieb und theuer. Er ist unser Mitmensch, ja wir sind sein Schuldner; denn von ihm haben wir das köstliche Wort Gottes empfangen; Israel war der Träger und Bewahrer der Wahrheit; Israel war so hochgeehrt, daß von ihm herkam der Messias. Mit einem Worte: „Das Heil kommt von den Juden." Als Jünger des Meisters der Liebe lernen wir in seiner Schule gegen alle Mensche», sonderlich aber gegen seine Brüder Liebe üben, und zwar nicht bloß, um sie für unsere Ueberzeugung zu gewinnen, sondern im Allgemeinen, in allen menschlichen Verhältnissen, auch wenn sie als Juden ganz und gar nicht auf das eingehen, was uns das Allerheiligste ist. Allein eben weil wir, und mit uns noch viele Tausende, keine aller Welts-Religion wollen, d. h. nur eine kahle Moral, die man jetzt Religion zu nennen beliebt; sondern weil wir wissen: es giebt eine positive, geoffenbarie Religion, deshalb können wir auch dem nicht beistimmen, was Herr Zellinek noch am Ende seines Aufsatzes sagt: „Beide Religionsbekenntnisse werden ihre Mission erkennen und die Grenzen ihrer Thätigkeit genau bestimmen. Keine Confession will Proselyten machen." Wir sind auch gegen das Proselytenmachen;

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