Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 2 (2.1848)
- Date
- 1848-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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30 und bürgerlichen Ausbildung jüdischer Convertiten, und das um so lieber, .da seines Bleibens unter den Juden nicht mehr war, und man es der schützenden Gnade Gottes zuschreiben mußte, daß ihm bisher kein Leid von denselben widerfahren war. Abraham wurde nun noch ferner in der Lehre des Heils in Christo, soweit es bei seinen: Alter und seiner Schwerhörigkeit möglich war, unterwiesen und dann nach kirchlicher Ordnung feierlich in seinem Glauben durch die heilige Taufe bestätigt. Durch sein auftichtiges Bekenntniß, wie es sich als solches vielfach herausstellte, wurde er nun vielen Juden und Christen zum Segen. So lernte er z. B. mit Mühe noch deutsch Lesen, um sich durch deutsche Bücher belehren und erbauen und, da er die Predigt seiner Schwerhörigkeit wegen nicht verstehen konnte, sich wenigstens mit der christlichen Gemeinde bei der gemeinsamen Gottes-Verehrung im kirchlichen Gesänge und Gebete vereinigen zu können. Auch trug er fortwährend seinen Bart und seine jüdische Kleidung, um dadurch den Juden die Aufrichtigkeit seines Schrittes zu bezeugen, daß er nämlich durch die Annahme des Christenthums nicht weltliche Vortheile gesucht hätte, sondern die Zurücksetzung, welche die jüdische Kleidung in Polen mit sich führt, noch fernerhin mit seinen Volksgenossen theilen wollte. 1 Dieser Umstand brachte ihn jedoch einst in eine eigenthümliche Verg Wickelung. Bekanntlich müssen alle in Warschau nicht ansässigen polnischen Juden am Thore dieser Stadt einen sogenannten Tagezettel für die Dauer ihres dortigen Aufenthaltes lösen, um dadurch ihren Andrang nach der Hauptstadt zu beschränken. Abraham war als Christ von dieser Abgabe befreit. Da er aber die jüdische Kleidung trug, so fichrte er, so oft er einen christlichen Wohlthäter außerhalb des Stadtthores besuchte, sein beglaubigtes Tautzeugniß stets bei sich, um sich durch dasselbe als Christ legitimiren zu können. Jndeß die Beamten der Thorwache vermutheten einen Betrug in der Sache, darum verhafteten sie einst den Abraham und führten ihn vor die Stadt- Behörde. Die Richtigkeit seiner Behauptungen und des Zeugnisses ergaben sich bald, aber man vernahm ihn darüber, warum er als Christ fortführe, die jüdische Kleidung zu tragen. Er erklärte, daß er darin nichts Besonderes suche, sondern nur der Juden wegen seine frühere jüdische Kleidung beibehalte. Uebrigens, fügte er hinzu, habe er nir-