Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 11 (November 1847)
- Date
- 1847-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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186 tungen als wahr erweisen, indem wir näher auf den Text eingehen und auf die daran angehängte Predigt; wir sagen angehängte, weil sie nicht aus dem Texte geflossen, sondern etliche beliebige, schon 100 Mal wiederholte Gedanken an den Text angehängt sind, gleichwie man einen abgetragenen Rock an einen beliebigen Nagel aufhängt. Das erste Capitel des Propheten Jeremias ist der Text, die Berufung des Propheten zu seinem schwere» Zeugen- und Strafamte. Der Ernst des Gegenstandes wird dadurch noch erhöht, daß die Predigt selbst sagt, daß sie am Sabbathe nach der Woche des Fasttages zum Andenken an die Zerstörung Jerusalems gehalten worden ist. Welch ein Anlaß, dem ernsten, wehmüthigen, zartfühlenden Bußprediger an Israel nachzuahmen und auch zur Buße aufzufordern und zur Rückkehr zu Gott, sonderlich in unser» Tagen, in welchen auch der Weltsinn, die Gottes-Vergessenheit so sehr in die Synagoge eingedrungen ist und das arme Israel in Partheien zerrissen und viele seiner Söhne zum völligen Nichtsglauben verleitet hat! Allein kein Wort der Buße, derBestrafung der im Schwange gehenden Sünden, kein Schmerz über den Schaden der Tochter seines Volkes, wie ihn Jeremias hatte. — Der ganze Text wird vielmehr verkehrt und entstellt, und anstatt die Zuhörer zu beugen und zu bessern, werden sie selbst im Heiligthum des Gotteshauses mit den Zeitfragen der Politik und Emancipation unterhalten, den preußischen Landständen Hiebe zugecheilt und die Gemeinde in sichern Stolz eingewiegt; denn mit der Berufung und Sendung des Propheten wird Israels Sendung verglichen: „Wir sind nur hingegangen, wohin uns Gott gesandt!" Nicht ein Wort davon, daß Gott in seinem Gerichte Israel aus seinem Lande verstoßen, und daß eben seine jetzige Zerstreuung unter die Völker der sprechendste Beweis seines Mißfallens an seinem Volk ist. So hat stets die Synagoge, von einem richtigen Gefühle geleitet und von Gottes Wort belehrt, die Vertreibung aus dem Lande der Väter angesehen; so muß es selbst der Herr vr. täglich, so oft er an den öffentlichen Gebeten seiner Gemeine Theil nimmt, wiederholt, im Morgen-, Mittag-, Abend- und Nacht-