Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 11 (November 1847)
- Date
- 1847-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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179 iien so manches in der Welt, was Gott nicht geschieden hat. Aber das Achten auf den stillen Gang der Geschichte läßt erkennen, wie Gott dergleichen wieder zusammengeführt hat; denn sie ist ein Weltgericht. Die Vergangenheit muß sich als Spiegel der Folgezeit dem Blicke erschließen, um den Schlüssel zur Würdigung der gegenwärtigen Gegensätze zu reichen. Andrerseits wollen wir aber von vornherein nicht verschweigen, daß eine Auffassung der Geschichte, welche ihren Lauf nicht aus sich selbst erkennen, sondern ihr einen eigen ersonnenen Gang anweisen will und darum ihren Reichthum in ein enges Bett schnürt, hier an den Begebenheiten drehend und deutend, bis sie passen, dort Unpassendes verschweigend oder Fehlendes ergänzend, uns nur als Carricatur wahrer Geschichtsforschung erscheinen kann. Das heißt nicht Gottes Wegen und Gedanken nachgehen, sondern ihm ins Handwerk pfusche» und seiner ewig waltenden Vorsehung bestimmen, welchen Weg sie besser hätte einschlagen sollen. Deshalb wird jeder gesunde Sinn begreifen, daß vorher die Thatsachen und Begebenheiten gründlich erforscht und erwogen werden müssen, ehe man nach ihrer Bedeutung im großen Ganzen fragen darf. Sonst muß die Antwort eine schiefe bleiben. Dies gilt nun, wenn irgendwo, auf dem Gebiete der Religionsgeschichte. Man muß die verschiedenen Erscheinungen verkennen, wenn man nicht auf das achtet, was sie selbst sein wollen; wie könnte man sonst billig über sie urtheilen? Wir meinen, das wird auch Herr Ph. zugeben. Wir haben also für seine Arbeit keinen andern Maaßstab als das Richtscheid der Geschichte. Hat er Zudenthum, Christenthum und Zslam richtig erfaßt? Hat er sie nach den Urkunden, auf denen sie ruhen, richtig gezeichnet? Hat er es nicht, dann hat er selbst das Urtheil über den Entwicklungsgang der Religion in der Menschheit, wie er ihn darstellt, gesprochen, dann hat er sich erst diesen zurecht gelegt und danach die Thatsachen zugestutzt, bis sie hinein passen. Die Antwort auf die erste Frage wird demnach die wesentlichste Aufgabe unserer Beurtheilung sein. 14*