Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1847)
- Date
- 1847-10-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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469 Zudengenossen machet." (Matth. 23, Lür) Proselytenmacherei, d. h. ein Anwerben von Genossen für eine Religionsgemeinschaft mit List und Verschlagenheit und unter Anwendung unredlicher Mittel, ohne auf die Motive und die Gesinnung des Convertiten zu achten, ist nichts als eine teuflische Earricatur der Bekehrung einer Seele zum lebendigen Gott. Die Pharisäer haben fie sich zu Schulden kommen lassen, und zum deutlichen Zeichen, wie man darin nur eitle Befriedigung fleischlichen Hochmuthes suchte, verachtete man am letzten Ende die Uebergetremen, ,, nannte sie den Aussatz der Israeliten und gab die Regel, Man dürfe keinem Proselyten bis zum 24sten Gliede trauen."*) Proselytenmachern ist das Merkmal von dem Fehlen innrer Lebenskraft und muß in sich selbst vergehen. Dies geschah denn auch bald. Denn was konnte die Genossenschaft einer mit dem Bolkshasse belasteten Gemeinschaft Anziehendes und Verlockendes bieten? was konnten die Juden selbst einem religiösen Bedürfniß gewähren als die schauerliche Tyrannei der talmudischen Form? Die Abgeschlossenheit des Volkes vollendete sich also auch äußerlich. Der schneidend scharfe Gegensatz der Synagoge zur Kirche fällt demnach in die Augen. Hier ist der lebendige Christus der Mittelpunkt, dort die tobte Form; hier der lebendig machende Geist, dort der tödtende Buchstabe; hier der in der Mission sich immer erneuernde Drang, das Evangelium zu den Heiden zu bringen, dort das dumpfe Hinbrüten in trübseliger Abgeschlossenheit; hier der edelste Universalismus, dort der kälteste Particularismus. Oder sagen wir etwa von der Kirche zu viel! Aber ist Christus und sein Wort nicht der Quell- und Lebenspunkt der Kirche geblieben? oder ist ihre Bestimmung etwa eine andre geworden? Dadurch daß ihre Erscheinung ihrer Idee noch nicht entspricht, daß sie ihre Bestimmung noch nicht verwirklicht hat, wird das Gesagte nicht widerlegt. Die Gebrechlichkeit der menschlichen Werkzeuge hebt Gottes Rathschluß nicht auf, so wenig wie Israels eigenwillige Verblendung ein Hinderniß war. Es ist wahr, auch die Kirche *) SB inet, Bibl. Real W. II. p. 342.