Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1847)
- Date
- 1847-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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*66 hatte er in der That das reale BolkScenirum sein können. Seitdem aber das Wort Fleisch geworden ist und unter uns wohnt, seitdem durch die Menschwerdung des Sohnes die Herrlichkeit des zweiten Tempels größer geworden ist, denn die des ersten war und seine Weissagung erfüllt ist, seitdem macht der verklärte Gottesvnd Menschensohn einen jeglichen zu einem Tempel Gottes, in welchem er durch den heiligen Geist wohnt. Die Entbehrlichkeit des alten Bolksmittelpunktes ist durch seine Zerstörung ausgesprochen; Christus ist der geistige Mittelpunkt der Kirche geworden. Welchen Ersatz aber hatte das Volk, welches dem Paniere des Gekreuzigten sich nicht anschließen wollte! Es mußte einen Ersatz suchen, je schmerzlicher es die Entbehrung des früheren Besitzes empfand. Dieser Ersatz fand sich im Talmud, jener großartigen Umzäunung des A. T. mit einem Wüste von Menschensatzungen, in welchem alles das, was an Auslegung und weiteren Bestimmungen mündlich fortgepflanzt war, schriftlich niedergelegt, und was nur irgend wie noch unbestimmt war oder so scheinen mochte, festgesetzt wurde. Die Mischna, die erste Sammlung des in den nächsten Jahrhunderten vor und nach Christo Ueberlieferten, vollendete sich in der Auslegung der jerusalemitischen und babylonischen Gemara im Laufe von etwa 7 Jahrhunderten, und daran schloß sich der Rabbinismus an, der in diesen Gränzen systematisirend, erklärend und die Widersprüche lösend sich bewegte. Wie auf diese Weise die Gelehrsamkeit an den Talmud sich band, so kettete sich das ganze Volk daran und beobachtete seine Vorfchristm mit einer Gewissenhaftigkeit, die — des göttlichen Gesetzes allein würdig war. Im Talmud hatte das Volk seinen nationalen Mittelpunkt. Er ward so einerseits allerdings das Mittel, die Existenz des Judenthums zu erhalten. Denn das ist in der That eine Erscheinung wunderbarer Art, daß an der innern und äußern Gestalt dieses Volkes die Zeit nichts geändert hat, daß seine Volkschümlichkeit unter dem Wechsel der alles wandelnden Jahrhunderte unwandelbar dieselbe geblieben ist, ttotz dem daß es ohne Baterland und ohne nationale Selbstständigkeit in allen Ländern der EM Mtt. Unerklärüch wäre diese Erscheinung ohne dm Talmud,