Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1847)
- Date
- 1847-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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165 endlich kein Abweg unbetreten bliebe, so stellte sich in den Effäern, „den Heilenden und Heiligen," das religiöse Bewußtsein in einseitiger Verinnerlichung dar. Vom öffentlichen Leben zurückgezogen lebten sie, eine Art jüdischer Einsiedler, an der Westküste des tobten Meeres in einem geheimen Bunde in verschiednen Ordensgraden unter frommen Hebungen, so schon auf Erden zum Anschauen Gottes zu gelangen hoffend. Sie mieden die Ehe, hatten untereinander Gütergemeinschaft und verweigerten, außer bei der Aufnahme in ihre Gesellschaft, den Eid. Es waren die religiösen Mystiker jener Tage und als solche wahrlich nicht geeignet das Heil Israels in dem zu erkennen, der den Armen im Geist das Himmelreich zusprach. Nehmen wir zu alledem die unsinnig fleischlichen Messiaserwartungen, denen sich die große Masse des Volkes hingegeben hatte, indem sie in eitler Selbstsucht vom Messias nur irdische Macht und Herrlichkeit hoffte, so stand das Volk durchaus nicht in der rechten Bereitschaft den erschienenen Heiland aufzunehmen. Das Wort des alten Zesaias fand wieder seine volle Anwendung: „Wenn uns Zehovah Zebaoth nicht übrig gelassen hätte einen Rest gar klein, so wären wir wie Sodom und Gomorra." (c. I, 9.) Und dieser kleine Rest — jener aus den Gerichten, die über das letzte Zehntheil ergehen sollten, noch übrig bleibende heilige Same, den derselbe Prophet c. 6, 13. erwähnt — die kleine Schaar von rechten Israeliten ohne Falsch, welche nach der Gerechtigkeit des Himmelreiches hungerten und dürsteten, das war die Pflanzschule der Kirche, ihre ersten Glieder und ihre eifrigsten Boten. Die Masse beharrte in der eingeschlagenen Richtung und reifte so dem Berderbm entgegen, welches mit ihrer gänzlichen Zerstreuung über sie kam. Das Pharisäerthum, welches unbestritten in den letzten Zeiten des jüdischen Staates das Uebergewicht hatte, ist seitdem der Charakter des zerstreuten Volkes geblieben. Dadurch ist der Gegensatz der Synagoge zur Kirche sixirt worden. Der Mittelpunkt, den das Volk im Tempel zu Jerusalem gehabt hatte, war verloren. Als Stätte der Offenbarung Gottes, wo er unter dem Volke hatte wohnen wollen, und vermöge dieser seiner geistigen Bedeutsamkeit