Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1847)
- Date
- 1847-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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164 lieferüng beilegtin. Sie im Vereine mit den Schriftgelehrten, welche großenteils ihnen angehörten, verschafften nun bald diesen Satzungen das Uebergewicht über das Gesetz; ihre alle möglichen Fälle ängstlich berechnende Casuistik in der Ausdeutung des Buchstabens, die sie vermöge allegorischer und symbolisirender Interpretation zu Wege brachten, ihre sprüchwörtlich gewordne Mückenseigerei machte dasselbe eben zu einer unerträglichen Last, welche zu heben sie auch nicht den leisesten Finger anrühren mochten. Die ganz untheocratische Abgeschlossenheit verbunden mit dem dünkelhaftesten Nationalstolz, der den Heiden nur Verachtung und Haß einfiößte, ist eine Folge ihres Einflusses und ihrer Bemühung, die Israel von den Heiden trennenden Zäune und Scheidewände dichter und höher zu machen. Die religiöse That hatte für sie eine solche überwiegende Bedeutung über die sittlich religiöse Gesinnung, daß sie mit ängstlicher Sorgfalt den Buchstaben des Gesetzes und die äußerlichen Gebote und wo möglich noch mehr erfüllten und den Heiligenschein, womit die Verehrung des Volkes für die aller Welt offenbaren Werke der Frömmigkeit sie umgab, für ihren schönsten Schmuck hielten. Ihre Selbstgerechtigkeit und Heuchelei endlich ist zu oft Gegenstand der Polemik im N. T. und zu bekannt, daß es eher am Orte ist, daran zu erinnern, daß nichts desto weniger auch rechtschaffene, edle und aufrichttge Seelen in ihrer Mitte sich fanden, als sie noch besonders zu betonen. Ihre Gegner waren in jeder Beziehung die Sadducäer, „dem Namen nach die Gerechten, der That nach die Reichen und Aristocraten," welche die Ueberlieferung verwerfend sich nur durch das von Moses Gebotne für gebunden hielten. Doch mögen sie es nicht allzustreng damit genommen haben, denn in der Wirklichkeit kam bei ihnen heidnische Gesinnung, nur in ehrbarem Gewände, zum Vorschein, da ihr Dichten und Trachten über die engen Grenzen dieser Welt nicht hinausging. Daher der Unglaube an Gottes Vorsehung und an ein ewiges Leben in ihrer Mitte und die Zügellosigkeit ihrer Sitten in gesunknen Zeiten. So artete hier das religiöse Bewußtsein in paganisirende Sinnlichkeit aus, welche für die cheuern Verheißungen der Väter nur Spott hatte. Damit