Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 9 (September 1847)
- Date
- 1847-09-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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fein." (d. i. de« Mond einweihen; am 2tsten war das erste Viertel.) Als sie diese Ceremonie, bei welcher sie unter Hersag ung von Gebeten mit dem Gesichte nach der Synagogenthür zugewandt waren, während sie dem Monde den Rücken kehrten und nur zuweilen einen flüchtigen Blick nach ihm hinauf warfen, beendigt hatte«, erkundigte ich mich bei einem von denen, mit welchen wir hinweggingen, nach dem Sinne dieses Gebrauches. „Wer das thut, stirbt in dem Monate nicht," hieß es. Es entspann sich hierdurch auf der Straße — die Sichel des Mondes glänzte prächtig, das Wetter war ungemein mild — eine lange Unterredung (während H. einen alten Bekannten mit sich - auf unsre Stube nahm,) mit einem Zuhörerkreise von mehr als 20 Zuden. Als Hauptgegenstand hielt ich die Frage fest: Wie kann der Mensch gerecht werden vor Gott? — Die gewohnten Antworten: „Der Mensch muß sich bekehren, Gutes thun; für die Verdienste empfängt er Belohnung" — überraschten mich nicht. Der Behauptung des Einen: „Wenn nicht 36 Gerechte wären, würde die Welt untergehen"— ein Satz, der eine tiefe Wahrheit einschließt, aber im Sinne des Sprechenden falsch war — stellte ich das Betspiel des Propheten Zesaias gegenüber, welcher, obwohl gewiß vor Menschen unsträflich, ausruft: „Wehe mir, ich vergehe, denn ich bin unreiner Lippen." Es wurde mir geantwortet: „Dadurch, daß er das Volk hat schlechter dargestellt, als es war, hat er Sünde begangen, und deßwegen berührt ihn der Engel mit der glühenden Kohle." Diese verkehrte Auslegung vöthigte mich, den richtigen Sinn des betreffenden Capitels darzulegen. Nachdem eine Zeit lang alles in Frieden verhandelt worden war, mischte sich ein streitsüchtiger und heftiger Mensch hinein: „Es schickt sich nicht, von solchen Dingen auf der Straße zu reden; das gehört in die Schule oder in die Stube." Gott redete ja mit Abraham auf dem Felde, entgegnete ich. Wer nicht zuhören will, dem steht es frei, hinwegzugehn. Wir können doch wohl in Liebe und Frieden mit einander reden. — Die Andern stimmten mir bei, indem sie äußerten, ich solle mich an ihn nicht kehren, der sei ein verdrehter Mensch, und redeten weiter mit mir.