Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 3 (März 1847)
- Date
- 1847-03-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554570-2554574--00521-2556311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Konin 1× ep/1000723
OCR text
47 letzten Versöhnungstage in d er russisch en Stadt Konin. Die Begebenheit war damals erst acht Tage alt. Das Wesentlichste des Berichtes war folgendes: „Ein schlechtes Frauenzimmer, die ihr Kind vermißte, beschuldigte die Juden, dasselbe gestohlen zu haben, um das Blut am Versöhnungstage zu gebrauchen. Der Bürgermeister giebt ihr Gehör, geht zum Rabbi, einem 80jährigen Greise, verlangt die Schlüssel zum Keller und durchsucht denselben. Da nichts za finden ist, läßt er die Vorsteher zusammen kom, men und fordert von ihnen, sie sollen die Gemeine in die Synagoge zusammenklopfen lassen, damit sie beschwöre, das Kind nicht gestohlen zu habe». Inzwischen hatte er (es war schon in der 10. Stunde des Abends) die Bürger aufgeboten, bewaffnet in der Zudenstraße sich einzustellen. Die Aufregung war ungemein groß. Der Erzähler versicherte, selbst Ausdrücke der Art gehört zu haben: „In jedem Hause soll heute noch ein Jude hängen."— Die Vorsteher weigerten sich, den Befehl des Bürgermeisters zu vollziehen, weil sie sich dadurch der Gefahr aussetzten, allesammt zugleich ums Leben gebracht zu werden. Nach einer angstvollen Nacht wurde am Morgen das Kind gefunden. — Jetzt ist die Untersuchung der Sache eingeleitet."-- Der Berichterstatter fügte hinzu, solcher Unverstand und solche Intoleranz müsse durch den Zeitgeist aufgehoben werden. — Daß mit der größer» „Aufklärung" keineswegs die Toleranz gegeben sei, im Gegencheil oft recht große Intoleranz, bewies mein College mit dem Worte, was ein Reform-Rabbiner gegen ihn vor längerer Zeit mit Heftigkeit ausgesprochen hat: „Diese Orthodoxen müßte man zwingen! Wenn uns nur der Staat die Gewalt dazu gäbe!" — Am Donnerstage, den 8ten, hatten wir von früh 8Uhr bis Abends 8 Uhrmit einzelnen Pausen vietBesuch. Einmal waren gegen 13 Zuden anwesend. Besonders darauf wiesen wir sie hin, daß nach Zrs. 2: „Von Zion wird das Gesetz ausgehen, und des Herren Wort von Jerusalem" Jesus der Messias sein müsse, weil von Jerusalem her zu uns das Wort des Lebens gekommen sei, und weil die Bibel jetzt in mehr als 150 Sprachen verbreitet sei und noch immer mehr verbreitet werde.