Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 3 (März 1847)
- Date
- 1847-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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38 nennen sie das Schauen Gottes im Glauben, und glauben, der große Entzweck des Menschen und seine größte Seligkeit bestehe -min, daß er sich so tief in die Anschauung Gottes versenke, daß er nichts mehr bemerkt, was um ihn her vorgeht, und daß er nichts mehr fühlt als himmlische Freude. Da aber der Mensch nicht immer zu diesen beschaulichen Betrachtungen geschickt und geneigt ist, so bestimmen die Chasidim dazu die Zeit des Gebets; sie haben daher auch einige kabbalistische Wörter, welche die Namen Gottes oder der Engel enthalten, und die sie vor jedem Gebete aussprechen. Die Bereinigung des Menschen mit Gott wird in jeder Art als unausführbar angesehen, ausgenommen in Freude und Lustigkeit. Wenn daher einem Chasid Melancholie oder Schwermuth befällt, so muß er sie zu vertteiben suchen. Auch muß er sich mit Muth, Entschlossenheit und Kühnheit zu rüsten suchen. Die Chasidim beobachten diejenigen thalmudischen Zeremonien, welche mit der Kabbala und den Gesetzen des Zadik übereinstimmen, sie bedienen sich nicht des Gebetbuches der deutschen und polnischen Juden, sondern des der spanischen, in welchem sie viele Gebete finden, die Aehnlichkeit mit der Kabbala haben. Sie gehen nicht in die Synagoge, sondern haben an' jedem Orte, wo zehn Chasidim sind, ihr eigenes Loeal, in welchem sie ihre Versammlungen halten, sowohl um zu beten, als auch um zu essen nnd zu winken oder zu rauchen, alles zu dem Zwecke, um die bösen Geister zu vertteiben. Die Chasidim leben gewöhnlich nicht in Freundschaft mit ihren orthodoxen jüdischen Brüdern. Ze erleuchteter die Letztem sind, mit desto größerer Verachtung werden sie angesehen. Zhre Secte ist jedoch sehr weit verbreitet, und es finden sich beinahe in allen jüdischen Gemeinden Polens Anhänger derselben.