Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- Heft 3 (März 1847)
- Date
- 1847-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 aufheben, um den Blinden die Augen zu öffnen, und die Sehenden ihres Gesichts zu berauben. Nach dem Tode Bescht's im Zahre 1760 zerstreuten sich seine Schüler durch ganz Polen und ließen sich einzeln in besondern Distrikten nieder, wo sie sich unter dem Namen eines Zadi k (Gerechten) die Herrschaft über die Chasidim aneigneten. Die Ehre eines Zadik jedoch kann nicht ohne große thalmudische und kabbalistische Gelehrsamkeit erlangt werden; vor allem aber muß er Schlauheit, Verschmitztheit, eine vollkommene Menschenkenntniß, Frechheit und Muth besitzen. Die Zadikim oder Oberhäupter der Sccte haben kein bestimmtes Einkommen, sondern geben vor, ihre Pflichten allein aus Liebe zu Gott und ihren Schülern zu erfüllen, aber dessen ungeachtet werden sie von ihren Versammlungen sehr reichlich unterstützt, sowohl durch Collecten, als auch von einzelnen Personen. Die Grundsätze der Chasidim sind folgende: Zuerst bünder Gehorsam gegen den Zadik und unzertrennliche Anhänglichkeit an ihn. Die Befehle des Zadik müssen als der Wille und das alleinige Gesetz betrachtet werden, welches die Gedanken und Handlungen eines Chasid regelt. Es ist seine heilige Pflicht, den Zadik über alles zu lieben, seinen Ruhm auszubreiten, sein Einkommen zu vermehren und ihm jedes Vergnügen, das in seiner Macht steht, zu verschaffen. Das Studium der Wissenschaften ist nicht nur eitel und nutzlos, sondern für das Glück der Seele eines Chasid sogar nachcheilig; der, welcher sich mit solchen Studien beschäftigt, ist ein Ketzer. Es ist ihnen verboten, fremde Sprachen zu erlernen, und Physik als eine gänzlich unnütze Kunst zu betrachten. Zeder Chasid thut, was in seinen Kräften steht, um die Gunst des Zadik zu erlangen. Ihn auch nur von Angesicht zu Angesicht zu sehen und ihn sprechen zu hören, ist schon eine verdienstliche und Gott wohlgefällige Handlung. Zeder Chasid muß den Zadik um seine Fürsprache bei Gott bitten und seinen Segen haben, ehe er ein Geschäft von Bedeutung anfängt, hat nun aber ein solches Gebet nicht den erwünschten Erfolg, so liegt die Schuld nicht an dem Zadik, sondern sie wird den Sünden dessen zugeschrieben, 3*