Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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193 «einsame falsche Richtung aller Zuden im Leben. Diesem Zrrchume huldigen die eifrigsten Orthodoxen nicht minder, als die modernen Reformer, und find daher immer noch in dem Grundgegenfaße gegen das Christenthum einig; nur daß diese, weil fie die vielen Beobachtungen und Uebungen, welche sich jene als Verdienst vor Gott anrechnen, verwerfen, auf Bürgertugendcn, aufgeklärte Ansichten und reinen Sittenwandel nach neuestem Maßstabe ihren Ruhm gründen. Möchte doch Israel endlich diesen Selbstbetrug erkennen! Dieser Stolz war es, welcher es einst unfähig machte, seinen Messias zu erkennen, ja welcher es zu Haß und Feindschaft gegen denselben fortriß; denn er, der wahre Arzt schmeichelte ihm nicht, wie alle feine Lehrer, noch ihun, sondern stellte den eingebildeten Pharisäern den reumüthigen Zöllner als Muster dar, und forderte, daß jeder, der erhöhet sein wollte, sich selbst erniedrigen solle unter alle; ja er lehrte, daß alle Menschen ohne Ausnahme, auch die, welche alle Tugenden zu haben meinten, von neuem müßten geboren werden. Diese Lehre, welche dem natürlichen Stolze jedes Menschen widerstrebt, bildet den Grundunterschied des Christenthums nicht blos vom Zudenthum, sonder» von allen Religionen; sie alle, wie verschieden unter sich auch sonst, fordern Werke von dem Menschen, wie er ist; das Christenchum fordert eine neue Geburt und einen neuen Wandel von dem neuen Menschen. Durch diese Lehre, oder vielmehr dadurch, daß es auch giebt, was es fordert, einen neuen Geist und ein neues Herz, beweiset sich das Christenthum auch allein als göttliche Wahrheit, als die allein vollkommene Religion, als das wahre Heilmittel der gefallenen Menschheit; es rechtfertigt sich als solches an dem Gewis-' sen eines jeden Menschen, der zur wahren Selbsterkenntniß gelangt ist, während alles andere, auch das, was das rabbinisch-orthodoxe Zudenthum bietet, die Anklagen des Gesetzes nicht stillen und die Macht der Sünde nicht brechen kann. Das habe auch ich erkannt, als ich mein Herz und mein bisheriges Leben im Lichte Gottes ansehen gelernt hatte. Wäre ich auch noch so orthodox in meinem Zudenthum gewesen, Israels Lehrer konnten mir kein Sühnopfer meiner Schuld zeigen, keine Kraft der Heiligung