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Dibre Emeth · 1846-11-01 · Heft 11 (November 1846) · page 12

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Journal
Dibre Emeth
Volume
2 (1846)
Issue
Heft 11 (November 1846)
Date
1846-11-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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192 denS das unversöhnte Herz sei, und die Sünde, um welcher willen der Zorn Gottes auf mir ruhe, meine Krankheit, das lernte ich erst aus diesen Predigten. Durch sie öffnete mir Gott die Augen, daß ich wahre Selbsterkenntniß lernte, welche, wie schon die Heiden sagen, der Anfang wahrer Weisheit ist. Besonders war es die Predigt über Zesaia 64, 6: „Wir sind allesammt wie die Unreinen, und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein besudeltes Gewand," durch welche die letzten Stützen der Selbstgerechtigkeir in mir zerstört wurden. Mit unwiderstchliger Wahrheit wies der Prediger nach, wie alle unsere guten Werke, die vor Menschen vielleicht glänzen, von der Sünde befleckt sind, und so mußte auch ich, der durch Gottes Hand bewahrt worden war vor groben Ausbrüchen der Sünde und immer einen guten Namen bei Menschen hatte, gestehen: Zch bin nicht minder ein Unreiner, ein verdammungswürdiger Sünder vor Gott, als der Verbrecher, der den Lohn seiner Thaten im Gefängniß oder auf dem Schaffot empfängt. Du erschrickst wohl bei solcher Rede, Du verachtest mich, weil ich dahin gerathen, so mich wegzuwerfen. Glaube mir, es ist mir nicht leicht geworden, vom Geiste Gottes solches Urtheil über mich anzunehmen; ich verstehe Dich ganz wohl, ich hielt, wie alle Zuden, hoch von mir selbst, ich kannte nicht das Verderben, daß die Sünde in mir, in der ganzen Menschheit angerichtet. Aber mein Lieber, dieser Mangel tieferer Selbst- und (was dasselbe ist bei dem jetzigen Zustande unserer Natur) Sündenerkenntniß ist das nqZnav der Grundirrthum (woraus dann alle übrigen, namentlich die Verwerfung des wahren Messias, von selbst folgen) in allem Zudentbum, das dem Christenthum entgegengetreten, sei es in alter oder neuer Form. Dieses Leugnen der Erbsünde oder der menschlichen Verderbtheit seit Adams Fall, die falsche Ansicht, daß der Mensch in seinem jetzigen Zustande aus eigener Kraft vor Gott gerecht werden könne, ist dann auch bei aller äußern Verschiedenheit, ja Trennung und Haß, der gemeinsame Zrrthum aller Juden in der Lehre; die Berblendetheit über sich selbst, als sei man besser, als andere, das Vertrauen auf eigene Werke und Tugenden, dem heiligen Gott gegenüber, kurz Selbstgerechtigkeit ist die ge-

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