Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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gewesen, erst kürzlich zurückgekehrt, zum Prediger berufen und am verwicheuen Sonntage als solcher eingeführt sei. Bald trennten sich unsere Wege, und indem er sich mir empfahl, bat er mich sehr freundlich, ihn zu besuchen. Es war mir mit ihm ergangen, wie Jonathan mit David, ich hatte ihn beim ersten Anblick liebgewonven, wie mein eigen Herz; dennoch besuchte ich ihn nicht in seiner eigenen Wohnung. Aber ich hatte mir genau den Namen der Kirche gemerkt, in welcher er von nun an sonntäglich predigen sollte; dahin beschloß ich zu gehen und erwartete mit Sehnsucht den Sonntag. Schon vor der bestimmten Stunde war ich m der Kirche. Bald sammelte sich um mich her eine zahlreiche Bersammlung. Zch war bisher ganz unbekannt mit dem christlichen Gottesdienste. Schon die Stille und Andacht, der feierliche und melodische Gesang — das Gegentheil von dem, was ich in der Synagoge stets bemerkt,— sprachen mich sehr an und erhoben mein Herz. Endlich kam der ersehnte Augenblick, als R. auf der Kanzel erschien. Das Friedliche und Liebevolle in seinem Angesichte, welches mir neulich das Herz genommen, erschien nun gemischt und verklärt mit heiligem Ernst. Nach einem kurzen und kräftigen Gebete erklärte er seiner Gemeinde, daß er es für zweckmäßig halte, gleich beim Beginn seiner Wirksamkeit die evangelische Lehre im Zusammenhänge darzustellen, und zwar werde er dazu im Anfänge vorzugsweise Alttestamentliche Texte wählen, um zugleich den Zusammenhang des A. und N. T. lind die Stufenfolge der Offenbarungen Gottes nachzuweifen. Dieser Plan war wie für mich berechnet; nicht minder die darauf folgende Predigt. Es war zunächst eine einleitende nach Psalm 119, 105. Zn ergreifender Weise schilderte der Prediger die Nacht und Finsterniß der sündigen Menschheit, nicht blos der ungebildeten, sondern vorzüglich der gebildeten, ohne das Wort Gottes, und das Acht und Heil, das dieses über die Pfade des irdischen Pilgers verbreitet. Schon durch diese Predigt litt der Unglaube an das Wort Gottes, der nur zu sehr noch mein Herz beherrscht hatte, einen Harten Stoß. Durch die folgenden Predigten ward er völlig gebrochen. Denn da habe ich die göttliche Kraft desselben mächtig