Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 11 (November 1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554556-2554568--00433-2556219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
188 vielen Elenden geholfen, hilf auch mir, schenke auch meiner Seele die Ruhe, die Du verheißest! Da erschrak ich vor mir selbst. Wo geräthst Du hin? sprach ich bei mir selbst. Du folgst ja ungeprüften Gefühlen und wirst fortgerissen von deiner Einbildungskraft! Die ganze Geschichte, von der du dich so hinnehmen läßest, ist nur ausgeschmückte Sage und Dichtung; so sagen die Christen selbst, und das Buch, das du eben noch mit Begeisterung gelesen, beweist es. Der Knechtschaft der jüdischen Ueberlieferung hast du dich entwunden, und willst Dich nun in ein neues Zoch fangen lassen? Wie wirst du dastehen vor deinen philosophischen Freunden, vor deinen jüdischen Brüdern? Bei diesen letzten Gedanken kehrte dann nicht minder der Stolz auf meine bisherigen Zweifel an allem Positiven in der Religion, als die alte aus dem Zudenthum stammende Verachtung des christlichen Glaubens in meine Seele zurück. Zch hatte mich nicht um das Mißfallen der Juden bekümmert, als ich in philosophischem Stolze das wegwarf, was meine Bäter für heilig hielten; aber ein Christ zu sein, an den von ihnen Verworfenen zu glauben, schämte ich mich; und während ich auf ihre Meinung in Glaubensfachen bisher gar nichts mehr gegeben, erschien es mir jetzt von großer Bedeutung, daß die Mehrzahl des Volkes Zesum nicht als Messias anerkennen. Doch es ist mir nicht möglich, alles auszusprechen, was mein schwaches Herz bestürmte. Kurz, alle Bedenken und Zweifel, die noch in meiner Seele geschlummert, wachten in mir mit neuer Stärke auf, und mein Glaube war noch zu schwach, um ihnen widerstehen zu können. Es erlosch freilich nicht das tiefe Verlangen nach Frieden in mir, und es blieb auch wohl die geheime stille Hoffnung, das Wort Zesu werde doch wahr sein: „So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele." Allein die Oberhand behiett fürs erste der zweifelnde und berechnende Verstand, es war mir als hätte ich in her Aufregung geschwärmt, als dürfe ich den Schritt nicht thun, zu dem mein Herz mich getrieben hatte. Zch legte das N. T. weg und dachte dem weiter nach, was ich oben angedeutet habe. Zch las eine Zeitlang wieder im Strauß und besuchte meine Freunde, die demselben beistimmten, und sprach, ohne von dem innern Zwie-