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Dibre Emeth · 1846-11-01 · Heft 11 (November 1846) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
2 (1846)
Issue
Heft 11 (November 1846)
Date
1846-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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186 -rauchen, da ich kein deutsches N. T. befaß. Ich begann um die Lrctüre des Sttaußifchm Werkes nach meiner Weise mit großem Eifer, und dieser wuchs noch während des Lesens, denn ich ward von demselben sehr angezogen, ich gönnte mir also auch keine Ruhe, das Angeführte im N. T. nachzukesen. Doch bald mußte ich einsehen, daß dies bei meiner geringen Kenntniß deS N. T. durchaus nothwmdig sei, um meinen Schriftsteller verstehen zu können. Ich legte also den Strauß bei Seite und fing das N. T. von vorne an zu lesen. Ich hatte es mit derselben Gleichgültigkeit wie früher in die Hand genommen, aber schon die Heiligkeit der Sprache, in der ich es jetzt vor Mr hatte, nöthigte mir einen gewissen Ernst ab. Auch fesselte mich bald das Gelesene selbst. „Du sollst seinen Namen Zeschua (Zesus) heißen, denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden" las ich gleich auf den ersten Seiten. „Welch ein großer Gedmrke! dachte ich. Solcher Erlösung ist mein Volk bedürftig, und auch ich. Sollte das ein Mensch erdacht haben? Und wie, wenn diese Geschichte wirklich wahr wäre?" Ich las nachdenkend und begierig weiter; und obgleich ich an der Wahrheit der Erzählungen zweifelte, trat mir doch immer mehr Derartiges emgegen, was nicht -los meine Verwunderung erregte, sondern auch mir wohlgefiel mrd zum Theil mein Gemüth tief bewegte. So die vielen Anführungen aus dem A. T., deren richtige Anwendung mir wenigstens bei einigen gleich einleuchtete. Namentlich aber waren es die Reden und der Wandel Zesu, die mein Herz ihm zuwendeten. Welche klare und gründliche Auslegung der göttlichen Gebote, welche reine und von allem Partikularismus freie Moral, welche Einfachheit und doch welche Kraft und Tiefe, ivelche wahre Beredsamkeit in der sogenannten Bergpredigt! Wie kunstlos, und doch so geistvoll und treffend sind seine Gleichnisse; wie schlagend und wahr alles, was er seinen Gegnern antwortet und von ihnen sagt! Und während er ihnen in wahrer Liebe mit strafender und scharf eindringender Rede begegnen mußte — welche Güte und Freundlichkeit auf allen seinen Schritten, wo die Noth ihm nahet; wie unermüdlich hilft er überall den Kranken, und mit welcher

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