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Dibre Emeth · 1846-11-01 · Heft 11 (November 1846) · page 5

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Journal
Dibre Emeth
Volume
2 (1846)
Issue
Heft 11 (November 1846)
Date
1846-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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185 lich gemieden, sondern ohne alles Gebet eine Zeitlang gelebt hatte; so war dieser innere Zwiespalt nun die Veranlassung einer besseren Anbetung GotteS. Zch flehte in jenen ernsten Augenblicken, in denen ich meine Bedürftigkeit fühlte, aus der Tiefe meines Herzens zu dem Gott Israels, daß er sich meiner annehmen und mich mit seinem Lichte erleuchten möge. Freilich kamen auch wieder Zeiten, in denen mir meine Weisheit und ich in ihr mir recht gefiel — da vergaß ich meinen Jammer, da verstummte auch mein Gebet; aber ich wurde immer aufs neue daran erinnert, und sähe aus, suchte und forschte, mehr als ich mir bewußt war, ob ich nicht finden möchte, waS meiner Seele Ruhe und Befriedigung gewährte. Zn dieser Zeit geschah es nun, daß meine Aufmerksamkeit auf ein Buch des bekannten Strauß, der, wie Du wissen wirst, ebenfalls ein Anhänger der Hegelschen Lehre ist, gerichtet wurde. Er machte damit solches Aufsehen, daß es im gelehrten Kreise für eine Schande galt, dasselbe nicht gelesen zu haben. Zch entschloß mich also auch es zu lesen, obgleich der Gegenstand desselben nicht dazu einlud; denn dieser ist das Leben Zesu. Dies war mir wohl einigermaßen bekannt, denn ich hatte früher eben auch das N. T. einem großen Theile nach durchgelesen, um sagen zu können: Zch kenne es. Zch hatte aber bisher aus angeerbter Verachtung des Christenthums gern ohne Untersuchung angenommen, daß diejenigen unter den Christen Recht hätten, welche an der Treue der Ueberlieferung der Geschichte und Lehren Zesu zweifelten; und verspürte eben keine Lust in eine Untersuchung darüber mich einzulassen. Doch weil alle Welt das Buch von Strauß las und davon sprach, so wollte auch ich nicht Zurückbleiben. Zch ging also zu einem Bekannten, um es mir zu leihen. „Haben Sie auch ein N. T."? fragte jener. „Dieses müssen Sie dabei haben, daß Sie das Nachlesen können, was Strauß anführt. Wenn fie keins haben, so will ich Ihnen ein ebräisches geben, das für Sie auch der Sprache wegen Interesse haben wird." Dabei reichte er mir ein N. T. in der Londoner ebräischen Uebersetzung, und ich nahm es an, ohne daß es für mich irgend einen Werth gehabt hätte, um es gelegentlich zu dem erwähnten Zwecke zu ge-

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