Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1846)
- Date
- 1846-10-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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476 kund chatz -aß Hunger hauptsächlich dir Krankheit sei, mit Mrjsie zu: kämpfen hatten, und daß Speise und Kleidung die besten Heilmittel seien, die ihnen gereicht werden könnten. Einigen, hei denen Krankheit und Hunger sich um die Herrschaft zu streiten schienen, war das Hospital gleich einem sicher» Ruhehafcn. Ich habe rS gesehen, wie sie, von ihren - Lumpen befreit und in ein gutes Bett gebracht, ihren Gefühlen der Dankbarkeit in einem Strome von Thräncn Lust machten- Bisweilen kamen ganze Familien in zwei oder drei Geschlechtern, von dem Säuglinge an an der Mutrerbrust bis zu dem weißbärtigen und grauköpfigen Greise. Dies sind meistens neue Ankömmlinge, die ans ihrer Reise nach der heiligen Stadt all ihr Vermögen verzehrt haben, und bei ihrer Ankunft kein Plätzchen finden, wo sie ihr Haupt hinlegen; oder welche nach ihrer Ankunft noch lange genug lebten, um das noch klebrige voklmdszu verausgaben und von den erträumten Hoffnungen einer seligen Ruhe in den Mauern Jerusalems sich enttäuscht zu sehen. Wie dem nun aber auch sei, der Zustand, in den sie gekommen, ist ein höchst trauriger und beinahe hoffnungsloser. Keine Beschäftigung, keine Mittel zu einer regelmäßigen und ehrbaren Lebensart, sondern nur sorgloser Müßiggang und unsichere Almosen. Das ist die Lage der großen Mehrzahl der jüdischen Pilgrimme, welche jährlich in großer Menge nach Jerusalem strömen. : Es ist rin großes Vorrecht, diesen unglücklichen Pilgern vom Hause Zsrael augenblickliche Hülfe zu leisten und eine Zufluchtsstätte zu-gewähren, wobei aber freilich sich! das. peinliche Gefühl hinzugesellt, daß sie nur neuen Leiden und dem Hunger entgegen gehen, wenn sie wieder entlassen werden^ Wie betrübend es nun aber auch ist, von dem elenden und hülflosen Zustande der Zuden in der heiligen Stadt Zeuge sein zu müßen, so flößt doch der Hinblick auf ihre moralische Versunkenheit ein noch viel tieferes Gefühl des Mitleids ein. Es ist kaum möglich, sich.einen Begriff von der geistigen Knechtschaft zu machen, in welcher sie von der kirchlichen Autorität ihrer Rabbinrn gehalten werden. Der Rabbinismus ist in der That ein viel raffinirterrs, eomplicirteres und grausameres System als selbst das Papstthum.