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Dibre Emeth · 1846-06-01 · Heft 6 (Juni 1846) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
2 (1846)
Issue
Heft 6 (Juni 1846)
Date
1846-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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93 Wir«, um andere damit zu entsündigen, das hieße sie zu hochmüthigen Mönchen machen, von denen wir in einer katholischen Predigt vom Zahre 184t (vgl. Harleß Zeitschrift ss. Prot. u. K. 1842. I». 329)wörtlichlasm: „Welch ein erhabner Anblick muß es gewesen sein, in einer kleinen , von wildem Gesträuch umwachsenen Höhle einen Mann ans seinen Knieen zu sehen, der wohl hundert Zahre zählt, wie er nach der Geißel greift, um durch die schuldlosen Tropfen eigenen Blutes ganze Ströme schuldbeladenen Blutes zu sühnen." So etwas den Propheten auf» znbürden, würden selbst diejenigen nicht wagen, welche, um nur nicht eine Weissagung auf den Messias, Zesum den Gekreuzigten, anzuerkennen, Muth genug gehabt Haben, zu behaupten, das A. T. habe die Leiden eines Mcnschm als stellvertretend für den anderu angesehen. Denn solchen bestimmten Worten gegenüber, wie wir sie Ps. 49, 8 —10 lesen: „Kein Bruder kann den Bruder erlösen, kein Mensch kann für den andern Gott das Lösegeld bezahlen u. s. w." oder Micha 6, 6 — 8: „Womit soll ich den Herrn versöhnen?.... Soll ich meinen Erstgebornen für meine Missethat geben, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele? Es ist Dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von Dir fordert: nemlich Recht halten, Liebe üben und demüthig wandeln vor Deinem Gott" (vgl. noch Ez. 18, 20.) — im A. T. eine stellvertretende Kraft der Leiden finden zu wollen, zeugt von großer Animosität. Wir können indeß diese schon längst abgefertigte Behauptung auf sich beruhen lassen; die beiden Momente der Freiwilligkeit und Schuldlosigkeit, welche hier dem leidenden Knechte Gottes beigelegt werden, reichen vollkommen aus, um den gesammten Prophetenstand auszuschließen. Kein Unrecht war in der Hand des Gottesknrchtes> kein Bettug in seinem Munde; ohne Grund hielt mau ihn in seinen Leiden für einen wegen großer Schuld von Gott Eebrandmarkten. Freiwillig bringt er seine Seele zum Schuldopfer dar. Die frommen Männer Gottes fühlen nun grade, je frömmer sie werden, desto mehr das Bedürfniß erlöset zu werden; und hat nicht Zesaias, als er Gottes Herrlichkeit schaute, zuerst seine Sündhaftigkeit bekannt? „Wehe mir, ich bin unreiner Lippen!? 8*

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