Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1846)
- Date
- 1846-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554556-2554562--00312-2556092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
73 Wenden wir uns nun zu der zweiten gesicherten Bedeutung, welche dem Knechte Gottes zukommt. Wir sahen, einzelne Propheten hießen so und namentlich der Berfasser des ganzen Abschnittes von Cap. 40 —66 (Zesaias). Daß die in C. 49, 50—61 redende Person der Prophet sei, hat nun zwar manchen Auslegern sehr klar eingeleuchtet, ohne daß sie alle sich zu der Annahme bequeme hätten^ daß an allen Stellen unter dem Knechte Gottes der Verfasser gemeint sei. Niemand, meinen wir, wird sich auch, mit Ausnahme von Cap. 53 des Eindruckes erwehren können, einen Propheten geschildert zu lrsen. Indessen dürften dann doch die Hoffnungen unscrs Verfassers, gleichviel ob er sich oder einen Standesgenossen meinte, mehr als überspannt genannt werden. Wie, ein israelitischer Prophet solle von sich erwartet haben, er werde der Bundesmittler, das Licht der Nationen sein, er sei bestimmt als der von Gott Erkorene allen Völkern das Recht zu verkünden? Einem Zesaias milßten ja die Worte, die er in jener erhabenen Vision vernommen, (Cap. 6) als durch eigene Erfahrung bestätigt in zu gutem Andenken bleiben, als daß er derartigen Hoffnungen von sich nur im Entferntesten sich hätte hingeben sollen; — und jeglichen anderen hätte die Demuth, das auszeichnende Merkmal aller Knechte Gottes, davon abgehaltrn. Und nun gar in Cap. 53 an den Propheten, der sich noch dazu mit unter das Volk cinschließt (V. 8) zu denken, das hat, charakteristisch genug, zuerst ein — Voltaire vermocht. Andere haben andere Namen genannt, Usias, Hiskias und selbst unbekannte, angeblich im Exil getödtete Propheten: doch brauchen wir uns hierbei um so weniger aufzuhalten, als schwerlich noch irgend jemand einer solchen, so durch de« Augenschein widerlegten Auslegung huldigt. Es bleibt demnach nichts als die Annahme übrig, daß „Knecht Gottes" an den bezeichnrten Stellen eine rigenthümliche Bedeutung habe. Wir fragen, wem kann dieser Name noch beigelegt werden? Die Antwort vieler und gewichtiger Stimmen bezeichnet uns „den Pr o p h ei e n st an d." Wie wird sich nun danach das Ganze gestalten? Die Propheten, so sagt man, werden als ein Ganzes, eine Körperschaft, eine moralische Person betrachtet; sie heißen eollective