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Dibre Emeth · 1846-04-01 · Heft 4 (April 1846) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
2 (1846)
Issue
Heft 4 (April 1846)
Date
1846-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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63 dem Flur und bediente sich weder Messer noch Gabel, aber was uns am meisten überraschte war, daß weder unser Wirth noch einer seiner persischen Gäste sich ein Gewissen daraus machte, mit Christen zu essen, ohnerachtet das mohamedanische Gesetz es verbietet, indem es die Christen für unrein erklärt. Als wir uns am Abend entfernen wollten, bemühte er sich sehr, uns zu bewegen noch 2 oder 3 Tage da zu bleiben und versprach uns eine Eskorte von 100 Mann Soldaten, wenn wir es thäten. Wir hielten es indeß für besser, unsere Reise fortzusetzen. Am 15. wurden wir zu Karmenschah von Hassan Chan Kalcntar besucht; er war sehr höflich und stellte uns sein Haus zur Verfügung, was wir aber ablehnten, indem wir es vorzogen zu bleiben, wo wir waren. Wir gingen in das Zuden-Viertel, welches im niedrigsten Theile der Stadt liegt und fragten nach der Synagoge; ein Haufe von Zuden umringte uns schnell und führte uns dahin. Sie ist ein sehr ärmliches Gotteshaus, ein sicherer Beweis für die Armuth und den Druck, worunter die Zuden hier leben. Diese erzählten uns, daß sie zu wiederholten Malen kostbare Decken aufgelegt und die Gesetzesrollen geschmückt hätten, die Soldaten aber jedes Mal in das Heiligthum gebrochen wären und jeden Gegenstand von Werth gestohlen hätten. Dann besuchten wir einen der Molla's oder Rabbincn und predigten ihm Zesum von Nazareth. Er bekannte, daß er niemals die Botschaft des Heils vernommen habe und er war auch in der Thal ganz unbekannt mit Allem, was auf, einen Erlöser Bezug hat. Wicderholentlich rief er aus: „Haben unsere Vorfahren sich so geirrt!" Während unscrs Gesprächs hatte sich der größere Theil der jüdischen Bevölkerung an der Thüre versammelt und horchte begierig auf das, was geredet wurde. Auf unserm Rückwege hatten wir manche Belästigung von dem Pöbel zu erdulden; sie schrien uns nach: „Ruß", daß heißt Russe. Andere, durch unsere europäische Kleidung herbeigelockt, nahmen sogar keinen Anstand, uns aus dem Wege zu stoßen, und wären wir lange in Ker man sch ah geblieben, so würden wir gezwungen worden sein, den Gouverneur um eine Wache zu bitten.

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