Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554556-2554560--00284-2556062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
47 Gin Wort an Herrn Nr. Philippsohn. Der jüdische Lehrer in Odenkirchen, Herr Ems, berichtet an Herrn Dr. Philippsohn, wie der „Missionär Pastor Kalthoff" in einer Bibelstunde öffentlich ausgesprochen, „daß die Zuden seit mehr als anderthalb Jahrtausende in Schmach, verhaßt, verfolgt, in materiellen Interessen begriffen, ohne Gott und ohne Hoffnung lebten," und fordert, „empört über diese Blasph ^»ie", den Herrn Dr, Ph. auf, dies zu veröffentlichen', und die Unwahrheit dieser Aeußerung an den Tag zu legen, damit die Zuden dem Herrn K. den Znttitt nicht weiter gestatten. Herr Ph. jedoch lehnt diese Aufforderung wenigstens in letzterer Beziehung ab, und zwar aus dem Grunde, weil es ihm eine unüberwindliche Last werdm würde, jede Aeußerung der Herren Missionare zu widerlegen, noch dazu, da diese Herren, zehnmal widerlegt, das elfte Mal dasselbe Zeug schwatzten, und dann, weil die Aeußerung des Herrn K. um so weniger einer weitläufigen Erörterung verdiene, da sie offenbar ohne Sinn und Verstand sei und mit dem Begriffe, den das Zudenthum vom allbarmhcrzigen Gott giebt, und der keinem Menschen die Hoffnung abspricht, gar nichts gemein habe. Nur die eine Bemerkung fügt Herr Ph. dem Missionare hinzu: „Der jüdische Stamm trägt die Schmach und den Druck gehässiger Völker und Menschen mehr als anderthalb Jahrtausende um — den einigen Gott, den er bekennt und anbetet. Um nichts Anderes: denn wollten wir diesen verleugnen, so wäre mit einem Male Schmach und Druck geschwunden. Der jüdische Stamm trägt diesen Druck in der Hoffnung, daß die Sonne der Wahrheit, wie sie ihm leuchtet, allen Völkern der Erde aufgehen werde. Ob der wohlbesoldete Missionär seine Mühen — von Druck nicht zu sprechen — auch bloß um seinen Gott trägt, sei dahin gestellt. Ob die Zuden mehr von materiellen Znteressen befangen seien, als ihre andern Erdenbrüder — darüber giebt der erste Blick ins Leben Aufschluß." Allg. Z. d. Zudenth. Nr. 4, Seite 55.