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Dibre Emeth · 1846-03-01 · Heft 3 (März 1846) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
2 (1846)
Issue
Heft 3 (März 1846)
Date
1846-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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43 durch Wucher, Lüge und Betrug, durch Mißbrauch des Namens Gottes, durch Zorn und Scheltworte ihr Herz und ihre Zunge täglich zu verunreinigen; und daß sie in dem Wahne befangen sind, als könnten sie durch ihre gottesdienstlichen Verrichtungen alles sühnen und das Wohlgefallen Gottes sich verdienen. Und, doch wie andachtlos ist das Gebet so vieler, daß sie durch dasselbe eher eine Sünde begehen, als andere Sünden wieder gut machen! Das ist alles wahr, nur Befangenheit und Blindheit vermag es zu läugnen. Was Du über die Mangelhaftigkeit der Predigten der alten Rabbiner, über Mißbräuche im Gottesdienste, über Mängel der Schrifterklärung von Raschi und deren Lertüre in der Schule bemerkst, ist ebenfalls nicht ganz unbegründet. Anderer Scits muß man den Predigern der neueren Richtung dieses zugestehea, daß sie populärer und practischcr zu reden suchen, d. h., so daß es das Volk versteht und daß es von dem Gesagten eine Anwendung aufs Leben machen kann, so wie ich ihnen und den Lehrern desselben Sinnes auch nicht ihre Verdienste in Verbesserung der Schulen und Schulbücher ganz streitig machen will. Und was das Leben derer im Volke betrifft, welche wir mit Recht wegen ihrer Vernachlässigung unserer Gebräuche tadeln, so muß ich jetzt auch mein im vorigen Briefe gegebenes Urtheil beschränken. Es mögen allerdings viele, ja vielleicht die meisten derselben auch in sittlicher Hinsicht nicht streng sein und, ohne Gottesfurcht nur nach ihres Herzens Sinn dahin lebend, nach nichts trachten als nach Geld, Genuß und Vergnügen; aber es gibt doch auch solche unter ihnen, welche, indem sie auf die äußere Reinheit keinen Werth legen, doch nach einem reinen Herzen und nach einem reinen, unbefleckten Wandel trachten; welche zwar das, was sie nicht mehr für zeitgemäß hakten, mit Gleichgültigkeit behandeln, nichts destoweniger aber durch die Erfüllung der Gebote Gottes, welche sie noch für bindend anerkennen, ihm wohlgefällig zu werden streben. Es tritt daher bei ihnen manchmal der umgekehrte Fall ein als bei äußerlich gottesdienstlichen Leuten, daß sie zum Aergcrniß dieser sich kein Gewissen machen über verbotene Speisen und dergleichen, aber im Halten ihres Wortes, im Reden der Wahrheit, in der Redlichkeit beim Handel u. s. w. gewissenhaft sind.

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