Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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42 entschließen eine Anleihe zu machen. Zch dachte also gleich an den erwähnten Freund, in dessen Hause ich täglich weilte. Nicht zweifelnd, daß er mir gern von seinem guten Vorrathe das Fehlende leihen werde, that ich ihm mein Anliegen kund; aber wie erstaunte ich zum zweiten Male, als ich, statt die gehoffte Bereitwilligkeit zu finden, von ihm mit Borwürfen über meine schlechte Haushaltung, der dann eine Reihe nichtiger Entschuldigungen seiner Seits folgte, überhäuft wurde. Dies war mir so kränkend, daß, als er zuletzt doch noch mir das Anerbieten machte, das Erbetene zu leihen, ich dieses nicht annahm. Da ich mit den übrigen reichen Mitgliedern der Gemeinde noch nicht so bekannt war, daß ich mich gegen fie hätte aussprechen mögen, so blieb mir nichts Anderes übrig als anderwärts Hülfe zu suchen. Zch schrieb also an dm Kaufmann, bei dem ich in meiner vorigen Stellung gewohnt hatte, legte ihm meine Lage vor, und bat um seine Hülfe. Mit umgehender Post erhielt ich nicht blos das erbetene Geld, sondern in dem freundlichen Begleitschreiben sagte er: Es mache ihm Freude, wenn er mit einer solchen Kleinigkeit zur Verbesserung meiner Lage beitragen könne, und da es mir schwerer fallen würde, von meinem Gehalte diese Summe zu ersparen, als ihm, dieselbe zu entbehren, so möge ich sie als ein Zeichen seiner fortdauernden Liebe und Hochachtung annehmen. Und das ist einer von denen, welchen ich in Freundlichkeit und Unfreundlichkeit die Nachlässigkeit in Befolgung unserer religiösen Gebräuche verwiesen habe, der mir als ein Unreiner erschien, während ich jenen Mann, der seinen Geiz hinter einem Scheine göttlichen Lebens verbarg, als einen Heiligen verehrte. Das, mein Freund, sind einige von den Erfahrungen, welche mich geneigt machten. Deinen Worten Gehör zu schenken, den einseitigen Tadel des modernen Zudenthums und das einseitige Lob des alten aufzugebm. Ueberhanpt habe ich hier ganz bestätigt gefunden, was Du sagst, daß von manchen in alter Weise eifrigen Juden über der äußeren Reinigung die innere, .über den vielerlei rituellen Beobachtungen die Liebe Gottes und des Nächsten dahinten gelassen wird; daß sie es mit jenen überaus genau nehmen und z. B. für keinen Preis etwas Unreines äßen, aber sich nicht scheuen,