Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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41 gefunden, daß ich wirklich glaubte, er habe die Vollkommenheit, von der er mir sagte, erreicht und mit Hochachtung an ihm heraufblickend, seine Worte sehr zu Herzen nahm. Eines Tags, als ich durch die Klage über meine bei den Unarten der Kinder noch zu schnell aufbrausende Hitze ihn auf denselben Gegenstand gebracht, und er mir ausführlich auseinandergcsetzt, wie er über seinen Zorn Herr geworden sei, trat ein Mann herein, der eine, wie mir schien sehr billige Forderung für eine gewisse Verrichtung, bei welcher mein Freund auch bethciligt war, auf eine bescheidene Weise sich ausbat. Der alte Herr wies ihn zuerst kurz weg ab, indem er behauptete, die Sache gehe ihn nichts an. Ais aber der andere seine Theilnahme an derselben ihm nachgewiesen hatte, sagte er: Zch habe jetzt keine Zeit, kommt ein andermal wieder. Der Mann aber stellte ihm vor, er sei schon einmal dagewescn, ohne ihn zu Hause zu treffen und könne der Kleinigkeit wegen nicht nochmals den Weg machen. Da wurde der Alte ganz aufgebracht, und während er seinen Schrank öffnete, um das geforderte Geld herauszunehmen, stieß er im Zorne die häßlichsten Schimpfworte und Beschuldigungen aus, die gewiß ungerecht waren, und gab endlich das Geforderte mit unfreundlichem Blicke. Zch war erstaunt, ja erstarrt, über das, was ich sah und hörte und ohne ein Wort zu sagen, entfernteich mich mit stummer Verbeugung. Als ich hinaus war, ergriff mich eine tiefe Wehmuth. Ach, was ist der Mensch! dachte ich. So ist auch dieser Traum von der Vollkommenheit dieses so heilig erschienenen Mannes dahin! Später setzte ich auch diese Erfahrung mit dem, was Du mir von dem Scheine der Frömmigkeit geschrieben, in Verbindung, besonders nachdem ich noch eine andere gemacht. Zn meiner Kurzsichtigkeit hatte ich den Grund, weshalb jener so ausgebracht war, nicht durchschaut. Zch glaubte, weil der Mann uns gestört, sei mein alter Freund so erzürnt worden. Zch hatte Gelegenheit sein Herz noch tiefer zu durchschauen. Durch mancherlei Umstände, welche die Kosten auf der Reise und bei meiner neuen Einrichtung über meine Erwartung erhöhten, kam ich in Geldverlegenheit, da ich von meinem Gehalt erst nach Verlauf des ersten Vierteljahes etwas zu erwarten hatte. Zch mußte mich