Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Fleiß lobt, habe ich im Allgemeinen grade das Gegentheil von der Liberalität, womit man an meiner vorigen Stelle mich behandelte, wahrnehmen müssen. Besonders aber ist mir das sehr betrübend, daß ein großer Theil der Gemeinde, ohne daß bei ihnen irgendwie eine Neigung zum Ncuen^vorhandrn wäre, in zwei Partheien sich gespaltet hat, die sich mit Unversöhnlichkeit Haffen und anfeinden, seitdem sie vor einige» Zähren, ich weiß nicht bei welcher Gelegenheit, in Streit gerathcn sind. Dieser Haß geht so weit, daß sie sich auch beim Gottesdienste getrennt haben. Die kleinere Parthei hat sich im Hause ihres Verfechters rin Bcthaus eingerichtet, und besucht nur bei besonder» Gelegenheiten die größere Gemrindesynagoge. Ich bin nun weit davon entfernt, den Grund von der Engherzigkeit, dem Eigennütze, dem Neide und Hasse, der mir hier entgegengetrctcn, in dem Verharren bei dem väterlichen Herkommen zu suchen; aber soviel habe ich doch hieraus erkannt: Trotz der größten Strenge im Gottesdienste und in der Beobachtung der vorgcschriebenen Gebräuche kann bei einem Einzelnen, ja in einer ganzen Gemeinde ein Sinn herrschend sein, welcher Israels Gesetze und hoher Bestimmung nicht gemäß ist; und wir thun Unrecht, wenn wir die Duelle alles Uebels in der neuen Richtung suchen. Ich kann nicht unterlassen. Dir noch ein paar specielle Fälle aus meiner Erfahrung mitzuthcilcn. Ich wurde hier bald sehr bekannt mit einem wohlhabenden ältcrn Manne, der um ganz dem Talmudstudium und seinen Betrachtungen zu leben, sein Handelsgeschäft aufgegebcn hat. Er freute sich meiner Kenntnisse im Talmud und meiner Abneigung gegen das neumodische Wesen, und bat mich, ihn fleißig zu besuche». So saßen wir denn manche Stllnde zusammen, uns unterhaltend über Stellen des Tmach und des Talmud, über die Grundsätze und Tugenden unserer Väter. Der Alte erzählte dann auch wohl von sich, von seinen Kasteiungen und Uebungen, und ermahnte mich, ihm nachzufolgen; denn, sagte er, dadurch erlangt man, wie ich es aus Erfahrung bestätigen kann, eine solche Selbstbeherrschung und Vestigkeit, daß der Satan und die böse Begierde keine Macht mehr über uns haben. Ich hatte bisher denselben stets in solcher gleichmäßigen Ruhe