Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 3 (März 1846)
- Date
- 1846-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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39 großer Strenge beobachteten, aber Gott nicht wahrhaft fürchteten und ihre Nebenmenschcn nicht liebten, daher durch Geiz, Eigennutz, Betrug, Lüge, Neid, Haß und Hader Ilebertreter des Gesetzes wurden, das sie als das höchste Geschenk von Gott zu ehren meinten. Andrer Scits sind nicht alle, deren Leben durch das leichtsinnige Hinwegsetzcn über alle äußern Beobachtungen des Zudcnthums auf den ersten Anblick als sehr gottlos erscheint, in ihrem Innern so leer von der Furcht Gottes und wahren Menschenliebe, als freilich Tausende, die in dem Aeußern ihnen gleichen. Du wunderst Dich vielleicht von Deinem orthodoxen Freunde solche freisinnige, manchem engherzigen Verehrer des Alten auch gewiß anstößige Aeußerungen zu vernehmen; aber, mein Freund, allerlei Erfahrungen haben die Worte Deines Briefes mir erläutert unk bestätigt. Meine Klagen über den Verfall der Religiosität in unserm Volke, wovon ich den Grund hauptsächlich in dem Aufhören des alten gottesdienstlichen Eifers suchte, schrieb ich aus einem Orte, wo auf eine bedauerliche Weise von Rabbiner und Gemeinde alles ausschließlich Jüdische mit Füßen getreten wird. Was Wunder, daß ich da mich nicht wohl fühlte und den früher« Zustand der Dinge herbeisehnte! Durch meine Klagen, die ich unverholen auch gegen andere habe laut werden lassen, wurde ich als ein Eiferer für das väterliche Gesetz, mehr als ich ahnete, bekannt; und das hatte zur Folge, daß ich als Lehrer in eine Gegend berufen ward, wo noch mit ganz wenigen Ausnahmen alles streng an dem Alten vesthält. Nun da bist Du ja gewiß glücklich gewesen, wirst Du sagen. Za, mein Freund, ich war es, als ich die Nachricht erhielt und hoffte es noch mehr zu werden; aber leider habe ich seitdem nur zu sehr erfahren: Es ist nicht alles Gold in Israel, was durch den Schein religiösen Eifers glänzt! Wie sehr ist doch alles von menschlichen Leidenschaften bewegt, und wie widerwärtig treten diese grade bei denen einem entgegen, welche vor andern fromm zu sein sich dünken lassen! Ich suchte in der Gemeinde Liebe, wahre Liebe gegen mich, denn ich kam hierher mit dem redlichen Entschluß, mich ganz meinem Berufe zu widmen, und bin stets beflissen, diesen auszuführen; aber obgleich man meinen 4*