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Dibre Emeth · 1846-01-01 · Heft 1 (Januar 1846) · page 11

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Journal
Dibre Emeth
Volume
2 (1846)
Issue
Heft 1 (Januar 1846)
Date
1846-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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11 sind, die scharfe Unterscheidung der Schrift zwischen Welt und Gott, zwischen Geschöpf und Schöpfer aufgehoben hat und sich dessen rühmt, Gott, der nach der Schrift in der Höhe und im Heiligthume wohnt, in des Menschen Geiste gefunden zu haben. Za es kann Dir bei dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft die Behauptung nicht befremdend sein, daß der menschliche Verstand aus sich selbst die Zdee eines persönlichen Gottes nicht erzeugt habe und nicht erzeugen könne; daß vielmehr das folgerechte Denken, wenn es über das Widerstreben des Herzens und die Zeugnisse der Schrift sich hinwegseßt, nothwendig zur Läugnung eines Gottes führt, der als Herr aller Dinge außer und über der Welt steht und zugleich damit zur Läugnung der menschlichen Freiheit, des selbstständigen Daseins und ewigen Fortdauerns des Menschen neben Gott; also daß man entweder, wie schon die alten morgenländischen Philosophen, die höchste Weisheit darin sieht, daß der Mensch in Gott sich verliere und untcrgehe; oder daß man, wie die neueste Lehre es gethan, Gott in dem Menschen aufgchen läßt. Zch überlasse die Begründung dieser Behauptung mit Zuversicht Deinem eigenen Nachdenken über die Geschichte der ganzen Philosophie von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage, welche jedem Unbefangenen, was ich gesagt habe, darthut. Aber nun frage ich Dich sich darf wohl so zu fragen wagen, denn ich kenne Dein Herz), ich frage Dich: Zst nicht der Glaube an Gott, an einen Gott, der nicht Dein eigner Geist, sondern unendlich weiser als Du, vollkommen heilig und gütig und zugleich der Schöpfer, Erhalter und Regierer Deines Lebens ist, ist nicht dieser Glaube Dir das Thcuerste, das Du hast? Und nun sage mir: Wenn ich auch, was allerdings der Fall ist, der Philosophie ihren Werth und ihr Verdienst überhaupt nicht abspreche, werde ich mit Recht so weit in meiner Achtung vor ihr gehen, daß ich mich von ihr in meinem Denken und Handeln abhängig mache; abhängig von einer Wissenschaft, die den Glauben an diesen Gott wohl zerstören, aber nicht geben kann; oder werde ich nicht mit viel größerm Recht die Weisheit suchen in dem Buche, dessen erste Worte gleich eben so sehr alle falsche Weisheit, wie allen heidnischen Aberglauben zerstören?

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