Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 als der Eiferer um bas väterliche Gesetz, der uns Andern so manchmal tadelte, vorschwebst. Aber Dein Brief, Deine eigenen Worte und Schriftzi'lge überzeugen mich nur zu kräftig, daß es in der That nackte Wirklichkeit ist, was ich so eben von Dir gesagt habe. Theurer Freund, Du kannst es auf Deinem Standpunkte nicht nachfühlen, wie wehe mir dabei ist; aber auch auf die Gefahr hin, daß Du mich belächelst, muß ich es Dir aussprcchen. So stehest Du denn da als ein Einsamer im Leben, losgcrissen von jeder religiösen Gemeinschaft, ohne den Leitstern der göttlichen Offenbarung, dem trügerischen Lichte Deiner eigenen Vernunft allein vertrauend, gleich einem Schiffer, dem die Gestirne des Himmels, von dunklen Wolken bedeckt, nicht mehr die sichere Bahn bezeichnen und der nun im Sturme nach leicht trüglichen Bermuthungcn auf dem weiten Meere das Steuer lenken soll. Doch Eins ist Dir geblieben, das mir noch Hoffnung gewährt, eine Vestung, von der aus Du wohl noch alles wiedergewinnen kannst, das die Zweifelsucht Dir geraubt hat. Es ist der Glaube an einen lebendigen, persönlichen Gott, der der Schöpfer Himmels und der Erde, der Lenker der menschlichen Schicksale und der Richter der Welt ist. Wohl Dir, daß dieses Kleinod Dir geblieben! Gar manche auch aus unserm Volke, von dem Zrrlichte der Philosophie verlockt, haben jenen Schatz verloren, sind verblendet durch die Afterweisheit, welche in dem bedürftigen Menschengeiste den allgenugsamen Gott stehet und durch die höchste Stufe der Selbsterhöhung, der Selbstvergötterung, den tiefsten Fall thut. Die Hand Gottes, den Du als Kind angerufen, hat Dich vor solchem Abgrunde bewahrt; die tiefen Eindrücke, die Du schon früh von ihm empfangen, find durch die Beschäftigung mit einer in ihrem Grunde gottlosen Lehre nicht ausgetilgt worben. Aber erkennst Du das auch? Es scheint nach Deinem Briefe nicht so. Aber Du mußt und wirst nach reiflicher Erwägung dieses Punktes mir beistimmen. Denn bei Deinen philosophischen Kenntnissen kann Dir nicht unbekannt sein, daß das philosophische System, das in unfern Tagen fich als das höchste Wissen angekündigt hat, und dem auch Deine akademischen Lehrer zugrthan