Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Die jüdischen Feiertage. In unfern'Mittheilungen über die Art und.Weise, in welcher die Inden ihre Festtage feiern, kommen wir nun zu dem Versöhnungstage OIED DV) Dieser Tag wurde von den Juden von jeher, und zwar mit Recht, für dm heiligsten und wichtigsten im ganzen Jahre gehalten; denn es war der Tag, an welcher« Israel, die Priester wie die Gemeinde, und das Heiligthum versöhnt wurden, und der von dem Herrn selbst "der große.Sabbath (prOltf TOHlft Sabbath der Sabbathe) genannt wurde, wie dies 3. Mos. 16, 29—34 und K. 23, 27—32 zu lesen ist. Damit es mrs jedoch recht lebendig und klar vor die Seele trete, wie die Feier dieses herrlichen und heiligen Tages seit der Zerstörung des Tempels zu einer fast ganz bedeutungslosen Ceremonie geworden ist und durchaus nicht mehr gewähren kann, was sie nach der Verordnung des Herrn gewähren sott, wollen wir uns zunächst davon genauer zu unterrichten suchen, wie sie im Tempel gehalten wurde, und dann erst sehen, wie dieser Tag bei den heutigen Juden gefeiert wird. Bei der Feier dieses Tages im Tempel, die immer am lOten des Monats Thischri stattfinden mußte, war der Hohepriester die Hauptperson. Denn er war es, der an diesem Tage die Opfer schlachten und darbringen, rrnd mit dem heiligen Rauchwerk und dem Blute der Versöhnung in das Allerheiligste gehen, rrnd daselbst räuchern und das Blut gegen den Gnadenstuhl zur Versöhnrlng sprengen mußte; nur im größten Nothfalle durfte er von einem andern Priester vertreten werden. Zu diesem heiligen Dienste aber mußte er sich auf mancherlei Weise vorbereiten, weil er ihn nur dann verrichten durste, wenn er ganz damit vertraut und ganz rein war. Daher wurde er schon 7 Tage vorher von den Seinigen abgesondert und Ln das Zimmer tm Tempel gebracht, wo das Sanhedrin oder Synedrium seine Sitzungen hielt und mußte sich im Tempeldienste üben, indem er that, was sonst andere Priester zu thun pflegten. Außerdem mußte er aber auch noch, besonders zur Zeit des zweiten Tempels, diejenigen Abschnitte des Gesetzes fleißig lesen, welche von dem Versöhnungstage handeln, wie 3. Mos. 1b, und 23, 27 — 32; und als später unter den Priestern um die hohepriesterliche Würde Streit entstand, so daß einer den andern aus diesem heiligen Amte zu verdrängen und es an sich zu bringen suchte, was ihnen auch nicht selten gelang, und zwar in dem Maße, daß die Hohenpriester sehr oft wechselten und das heilige Amt häufig von ganz unerfahrnen und jungen Männern verwaltet wurde und überdies der Sadducäismus sich selbst unter den Priestern eingeschlichen hatte; so wurde der am Versöhnungsfeste amtirende Hohepriester von einigen der Vornehmsten des