Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 11 (November 1845)
- Date
- 1845-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554542-2554554--00195-2555969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
179 „Hier ist nun zu merken, daß das Gesetz auf zweierlei Weise gebraucht wird. Ein Mal zu diesem Weltleben. Denn unser Herr Gott hat die weltlichen Rechte und alle Gesetze aus einen Haufen dazu verordnet, den Sünden und Uebertretungrn damit zu wehren; daraus denn ja wohl abzunehmen ist, daß alle Gesetze und Rechte dazu gegeben sind, daß die Sünden dadurch erwehret und verhindert sollen werden. Hier mögte Jemand sagen: Wehret das Gesetz der Sünde.; so machet es auch gerecht; — Weit gefehlt. Denn daß ich nicht morde, nicht ehebreche, nicht stehle und mich von allem Bösen enthalte, solches thue ich freilich nicht mit gutem Willen oder daß ich die Gerechtigkeit und Tugend so lieb habe; sondern darum lasse ich's, daß ich Meister Hansen fürchte, der mir mildem Schwert, Galgen und Rad u. s. w. dräuet: Der ist's, der wir wehret, daß ich nicht sündige, gleich wie Ketten oder ein ander Band einem Bären oder Löwen wehren, daß er nicht in Stücken zerreiße und zermalme Alles, was ihm vorkommt und ihm zu Wege ist." „Daraus ist genugsam zu verstehen, daß das keine Gerechtigkeit sein kann, daß das Gesetz der Sünde also wehret; sondern ist vielmehr eine Anzeige der Sünde und Ungerechtigkeit. Denn gleich wie man eine wilde und grausame Bestien an ein Band oder Ketten leget, auf daß sie nicht zerreiße und umbringe, was sie erhaschen mag: also bindet das Gesetz auch den Menschen, der von Natur allerlei Böses und Sünde zu thun geneigt ist, auf daß er, wie er gerne wollte, keinen Schaden noch Sünde thue. Und solche Ketten oder Kerker des Gesetzes, damit man wehren muß, zeiget genugsam an, daß die freilich nicht gerecht, sondern vielmehr gottlos und ungerecht seien (vergl. 1 Tim. 1, 9 — 11), denen man sie anlegen und Hamit wehren muß, auf daß sie nicht sündigen; daraus ja gewiß folget, daß das Gesetz nicht gerecht machet." „So ist nun dies der erste Unterricht von den Gesetzen, nämlich, daß man ihrer brauchen soll, den Gottlosen damit zu steuern und zu wehren. Denn der Teufel, der Abt und Fürst ist in aller Welt (Eph. 2, 2 — 3), der treibet die Leute zu allerlei Schanden und Lastern. Derhalben unser Herr Gott verordnet hat Oberkeit, 13 *