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Dibre Emeth · 1845-09-01 · Heft 9 (September 1845) · page 15

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Journal
Dibre Emeth
Volume
1 (1845)
Issue
Heft 9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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welcher sich alle Menschen lieben und gegenseitig in ihren Rechten anerkennen würden; in wie weit dies schon geschehen sei, sei anch der Messias schon da. Zwar gab man allgemein zu, daß die Juden bis auf die neuere Zeit-einen persönlichen und politischen Messias anerkannt nnd auf ihn gewartet hätten, und daß auch die Propheten von einem solchen redeten. Allein gegenwärtig könne man keinen persönlichen Messias annehmen, weil ein solcher dem Zeitbewußtsein widerspräche. Die Propheten hätten ans menschlicher Anschauung geredet, wobei aber der Hintergrund ihrer Lehre die Verwirklichung des Gottesreiches auf Erden gewesen; oder die Propheten hätten sich nicht klar ausgesprochenman finde keine Uebereinstimwung in denselben. Der Grundgedanke aber würde von allen anerkannt. Oder sie dächten sich die MeWasidee nach individueller Ansicht, einige körperlich, andere geistig. Die Rabbiner aber in der thalmudischen Zeit hätten den geistigen Messias fast ganz in Hintergrund treten lassen, wozu sie durch die Zeitverhältnisse veranlaßt wurden. Solche und ähnliche Gründe wurden angefiihrt. Zur Herbeiführung dieses Gottes- oder Messiasreiches seien nun aber die Juden berufen; daher denn auch, wie Einhorn sagte, „der Untergang des jüdischen Staates keine Verkümmerung, sondern eine Erhöhung sei. Israel solle der Perbreiter und Verkünder der reinen Gottesidee werden."*) Bei anderer Gelegenheit verlangt er sogar einen'Dank für die Zerstreuung der Israeliten in die Gebete einzurücken, so wie dafür, daß der OpferKrltus nicht mehr bestehe. Wir möchten uns hier einfach die Frage erlauben, wie die Herren Rabbiner wohl das 28. Kapitel des 5. Buch Moses und so viele andere Stellen sowohl im Gesetz als in den Propheten verstehen, in denen die Zerstreuung Israels unter die Völker als Strafe des Abfalls von Gott angedroht wird? Sollten sie den Aussprüchen der Herren Herzfeld und Jolowicz beitreten, daß, wie jener sagte, die Bibel „zwar Gottes Wort, aber nicht ganz Gottes Wort sei",- und wie dieser sich aüsdrückte: „Was das Volk in der Bibel nicht anerkenne, das sei auch nicht Gottes Wort und müsse deshalb bei den ritualen Vorlesungen ausgeschieden werden", dann können wir uns die aufgeworfene Frage leicht selbst beantworten, indem ihre Ansicht über solche Stellen nicht schwer zu errathen sein karm. Welche Idee man dem Opfer unterlegte, spricht sich in den kurzen Mittheilungen nicht deutlich aus. Herr Hirsch meint: „der Opferkultus ist nach der Schrift bestimmt zerr Sühne, zur Losung des Menschen aus seiner Sündhaftigkeit", was er aber darunter verstanden wissen will, wird nicht mitgelheilt. Herr Holdheim bekennt: ,,die Idee des Opfers ist der Gegenwart verloren gegangen, der Pentateuch giebt zu erkennen, daß das reine Herz vor Gott nicht genüge, sondern daß es *) Nur Schade/ daß die christlichen Aufklärer des achtzehnten Jahrhunderts und die Lichtfreunde der gegenwärtigen Zeit.Israel darin schon zuvorgekommen sind.

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