Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 9 (September 1845)
- Date
- 1845-09-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554542-2554552--00162-2555934- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ntthr lehren und fordernals die Vernunft sagt und gebieteteiner rein vernünftigen Gestaltung des religiöse« Lebens und der religiösen Gemeinschaft Platz machen. Du erschrickst vpr diesem Ergebuiß, aber es wird kommen. Du selbst wirst noch etwas wenigstens davon erleben. Ich will nicht versuchen, diesen Standpunkt eben so ausführlich gegen Dich zu rechtfertigen, als ich oben gezeigt habe, daß ein ehrlicher Mensch ihn dem halbe« Wesen des Zudenthums vorziehen müsse; ich will nicht die oft dargelegten Gründe gegen die Herrschaft der Offenbarung und Schrift über die Vernunft erörtern. Du kannst sie in Büchern von Juden und Christen lesen; nur das will ich zu Deiner Beruhigung über mich noch bemerken, daß mich diese freie Denkweise keineswegs dahin gebracht hat, meinem Schöpfer die schuldige Verehrung zu entziehen; vielmehr diene ich ihm noch mehr mit Lust, da ich frei von äußerm Zwange bin und bestrebe mich, seinen Willen zu erfüllen durch Berufstreue und thätige Menschenliebe. Dies ist doch gewiß auch Dein hauptsächlichstes Ziel und so sind wir, wie verschieden in unfern Ansichten, doch in der Hauptsache Eins. Daher darf ich den» auch gewiß hoffendaß Du Deine Freundschaft bewahren wirst Deinem Dich aufrichtig hochschätzenden Marcus.