Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 9 (September 1845)
- Date
- 1845-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554542-2554552--00161-2555933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Grade in: unfern Tagen weifet* manches darauf hin, daß nicht blos Einzelne, wie bisher, sich von allem Autoritätsglauben und a llen Hemmenden Satzungen der Religion losmachen, sondern, daß sich auch eine Gemeinschaft solcher, die dies gethan, bilden werde. Diese werden alle Cönfessionen, die bisher nur Trennung und Hüß gebracht, aufgeben und sich ohne Unterschied des Glaubens als Brüder lieben. Die Deutsch-Katholiken machen sich freilich zunächst nur lös von den Fesseln Roms und nach manchen Glaubensbekenntnissen derselben unterwerfen sie sich noch bestimmt der Autorität der Schrift; allein, wer Ronges Schriften gelesen hat, der weiß, daß dieser, der angesehenste ihrer Führer, seine Sache auf die Vernunft baut und diese auch nicht durch die Schrift binden will, und in diesem Sinne haben sich auch mehrere Bekenntnisse und Prediger ausgesprochen. Zch zweifle nicht, daß diese Richtung die Oberhand gewinnen, daß das rein menschliche Bewußtsein sich werde immer Mehr geltend machen, und eine rein vernünftige Anbetung Gottes, des Schöpfers, der auch der Jude beitreten kann, in dieser Kirchengemeinschaft werde herrschend werden. Aber auch im Zudenthum erheben sich Stimmen, die eine solche zu fordern scheinen. Ich denke dabei besonders an den Aufruf, der von Berlin ausgegavgen ist, und an die Versuche, die dort gemacht werden, eine den Ansprüchen der Zeit, das heißt doch der Vernunft gemäße Gestaltung des jüdischen Gottesdienstes herbeizuführen. Noch freilich sagen sie von einem jüdischen Gottesdienste, aber der Grundsatz, von dem sie ausgehen, ist schon, wie oben gezeigt, so wenig jüdisch, daß er vielmehr das Zudenthum als solches anfhebt, und, wenn sie nach demselben zu reformiren fortfahren, so wird auch im Einzelnen der Lehre und der Gebräuche nichts eigenthümlich Jüdisches mehr übrig bleiben. Wenn das Alle klar einsähen, daß sie, wenn sie eonsequent sein wollen, zu diesem Punkte kommen werden, würde vielleicht mancher noch sich zurückhalten von solchen Reformöestrebungen. Freilich zurück zu dem Glauben der Väter wollen und können sie auch nicht wieder, und außer diesem ist ja kein Halt im Zudenthum. So eilt denn dieses seiner Auflösung entgegen, nnd wird immcrinehr, wie auch andere positive Religionen, die