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Dibre Emeth · 1845-09-01 · Heft 9 (September 1845) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
1 (1845)
Issue
Heft 9 (September 1845)
Date
1845-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Es ist nicht zu leugnen, lieber Freund, daß derselbe allerdings .manches Mahre gegen Dich in feinem Briefe gesagt hat; und Du wirst Dich nicht weigern, ihm in diesen Stücken recht zu geben, und noch williger stimme ich ihm darin bei. Es verhält sich ja so: Es war in dem alten Zudenthume nicht alles Gold, was durch den Schein religiösen Eifers glänzte, und namentlich war in den letzten Zeiten die innere Religiösität so in Verfall gerathen, daß über kurz oder lang auch das Aeußere derselben fallen mußte. Es ist ferner allerdings wahr, was er einer Seits über die Unvollkommenheit der täglichen Gebete und des ganzen Gottesdienstes, die mangelhafte Wirksamkeit der Rabbinen, die Schlechtigkeit der Schulen und die Vernachlässigung des weiblichen Geschlechts im alten Zudenthume bemerkt; und anderer SeitS muß auch zugegeben werden, daß die neuern Juden, (abgesehen nämlich von den ganz nur dem Materiellen und Sinnlichen ergebenen Menschen, die nur aus Vorthcil neumodisch sind, und gar keine Religion haben) und namentlich einige ihrer Vertreter, die ich übrigens hiermit dem obigen über sie ausgesprochenen Urtheile nicht cntzichm will, das aufrichtige Bestreben zeigen, jenen Uebelständen abzuhelfcn. Dieses Gute kann nur ganz blinder Eifer ableugnen. Zch meines Thcils fühle mich in der Erkenntniß und dem gerechten Tadel der Mängel des Alten, wie sie Simon ausgesprochen hat, ganz eins mit ihm und allen der neuen Richtung Zugethanen; ganz eins mit ihnen in der vestcn Ueberzeugung: Es konnte und kann nicht bleiben, wie es war, wir müssen das Veraltete und Unvollkommene lassen und ein Neues, Bollkommneres erstreben! Du denkst vielleicht: „Zch kann aus Deinen Aeußerungen nicht klug werden; denn nun heißest Du gut, worüber Du oben tadelnd und geringschätzig gesprochen hast." Aber, mein Lieber; das scheint Dir nur so. Man kann mit der Absicht und mit der Nothwendigkeit der Bemühungen Zemandes ganz einverstanden sein; aber dennoch mit derselben Entschiedenheit das Resultat dieser Bemühungen sehr unvollkommen, ja verwerflich finden. Der Behauptung: Eine Reform. im Zudenthnm ist nothwendig, stimme ich bei; das Bestreben sie herbeizuführen schätze und lobe ich; aber das, was man 10*

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