Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 8 (August 1845)
- Date
- 1845-08-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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424 fern Heiland, Jesus Christus, vermittelten Glauben an die Barmherzigkeit Gottes, die sich, unter seiner Voraussetzung, über alle Menschengeschlechter, auf gleiche Weise, erstrecken wolle. Wenn aber, wie wir vorhin es anerkannten, der prophetische Blick der Wächter in Zakob ein universalistisches, ideelles Moment in sich beschloß: so wird ja dies eben zu der erfaßbarsten Realität in dem Christenthume erhoben. Oder hegt dasselbe etwa eine religiöse Ueberzruguvg von der Ausschließlichkeit irgendwelcher Nation hinsichtlich der Berechtigung für die Receptivität des religiösen Elementes? Sind nicht gegenwärtig 4000 Stationen unter den Heiden, in denen die Wirksamkeit begeisterter, christlicher Missionare und die aufopfernde Liebe der christlichen Kirche, in deren Namen und mit deren Vollmacht sie kommen, hinlängliches Zeugniß ablegcn von den universellen Tendenzen, die es verfolgt? Za sind nicht selbst für Israel Anstalten gegründet, durch die ihm die höhere Erkenntniß, vermittelst deren ihm das Heil nahe gebracht werden soll, betrieben wird, so daß es durchaus nicht nöthig hat, im Bewußtsein seiner eigenen Würde, um jeden Schein von Aufdringlichkeit zu vermeiden, mit seiner universalen Menschenliebe, auf die Gefahr hin, zurückgestoßen zu werden, zurückzustehen. Würde dies doch die Christenheit für einen Gewinn erachten, wenn auch das Zudenthum, ihr gegenüber und für sie, Missivnsanstalten begründete. Aber in dem Mangel von solcherlei Bestrebungen stellt sich ja eben am allcrevidentesten seine, durchaus noch nicht überwundene Egoität dar. Und so sind denn wir Christen es, welche ihm entgegenkommen und ihm Spirituelles bringen, was es nicht haben will. Es dagegen ist cs, welches an uns das unaufhörlich wieder ausgesprochene Verlangen stellt, was wir doch, der ganzen Natur der Sache nach, nicht gewähren können: „Emancipation." — Denn prüfen wir nur ernstlich, was es heißen könnte: Aber der messianische Standpunkt, der an den Menschen anknüpft, steht noch höher, als der christliche. Um uns jedoch eine richtigere Deutung der Worte: „an den Menschen anknüpfen," anzubahnrn, mag eS wohl an seinem Orte erscheinen, einige, dahin gehörige psychologische Bemerkungen/ von allgemein anzuerkennrnder Wahrheit, vorauszuschicken.