Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1845)
- Date
- 1845-07-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2554541-2554542-2554550--00126-2555896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MÄricht entgegnet uns atzet Herr Holdheim, wenn er von «inet» Aufhören des Cärimonialgesetzes spreche, so gelte dies eben nicht von dieser oder jener Unbestimmten Zeit, sondern von der ganz bestimmten messianischen Zeit. Ihre Existenz zur Hypothesis genommm, gelte als konsequente Thesis sein anticärimonielles Postulat. Nur Schade, daß sich auch bei dieser Behauptung ihre ganz eigenthümlichen Bedenklichkeiten geltend machen. Um sie in ihr gehöriges Licht zu stellen, lehnen wir uns an den Ausspruch des Verfassers an, der sich pag. 45. seiner Schrift findet, wo er sagt: „Die Theokratie ist untergegangen, und aus dm letzten Flammen, die über Tempel und Altar zusammenschtugen, ist der Messias geboren." Unser Verfasser will in diesen bildlichen Ausdruck ohngefähr folgenden Sinn hineingelegt wisse». Für die gegenwärtige jüdische Nation, welche rückwärts, durch die sich entwickelnde Weltgeschichte Hindurch blickt, ward der Messias, entweder aus den Flammen geboren, vor denen Titus umsonst das Centralheiligthum zu schützen bemüht war, oder aus denen, welche unter Julian, die, zum Hohne des Christenthums intendirte Restauration des Tempels verhinderten. Wären die Juden nicht allzu befangen', in ihren partikularistischen Anschauungen gewesen: so hätten sie schon von der Zeit an, zu der Erkenntniß kommen müssen, daß der innere Gottesdienst der eigentliche Kern sei, um den es sich handele, und daß Kultus, Ritus, Cärimonie, Symbol, nur die äußere Hülle sei, in welcher dieser, bis dahin, verwahrt gewesen wäre. Jedoch das befangene, ängstlich minutiöse Rabbinerthum vermochte diese glückliche, eine neue welthistorische Katastrophe vorbereitende Thatsache nicht nach ihrer ganzen, negativ positiven Bedeutung zu würdigen. Erfolglos mühte es sich ab, dem untergegangmen Tempel und Altar spitzfindig nachgcbildete Surrogate zu substitüiren, und an sie wiederum die ganze Masse jener kleinlich verbindenden Aeußerlichkeiten zu knüpfm, von denen befreit zu sein, seine Repräsentanten sich unter einander und ihren Volksgenossen, hätten Glück wünschen sollen. Leider hegte man derartige, ungebildete Uebrrzeugungen bis auf die allerneuste Zeit. Da geschah es denn, daß von dem partikularisti-