Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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96 ranz, oder wie es in diesem Artikel genannt wird, des „Religionsfanatismus" bezeichnet. Man lese die Beweisführung für diese Behauptung und sage, ob sie nicht von Logik, von besonderer Bibelkunde, von richtigem exegetischen Tacte, von ausgezeichneter Geschichtskenntniß und vor allem — von Toleranz zeige!? „Zuerst," heißt es, „kennen die Juden keinen Dualismus. Die Idee, daß Alle, die nicht ihren Glauben theilen, den Gegnern Gottes, den Mächten der Hölle verfallen — dieser nothwendige Gegenpol namentlich der christlichen Erlösungs-Idee, ist ihm daher fremd. Abraham bezeugt Achtung gegen die Gottesfurcht der Philister, Jonah gegen die der Nineviten; Jeschajah verspricht selbst den Ässyrern, Jecheskel den Aegyptern eine Erlösung rrnd Restauration; die spätem (wer? Propheten oder Juden?) bei allem Haß gegen das Heidenthum, empfehlen Achtung vor seinen Heiligthümern und die Mitfeier seiner Volksfeste." Nun das ist doch wohl Toleranz, ja mehr als Toleranz, Achtung vor den Heiligthümern des Heidenthums und Mtfeier seiner Volksfeste, also Theilnahme am Götzendienste! Was sollte das auch schaden , gilt ja auch „in Bezug auf die jüdischen Ketzer und Epikuräer der Grundsatz, daß der Sünder dennoch nicht allfhöre, ein Israelit zu sein." Und der Abfall und Götzendienst (dem ja oft genug das ganze Volk verfallen war) was ist der? Weiter nichts als „ein Vergehen, zu dessen Ablösung nichts weiter nöthig ist, als herzliche Reue und Rückkehr," was ja wohl nicht so schwer sein wird! „Diese Stimmung" würde nun freilich nach der Allg. Zeit. d. Judenth. „unglaublich sein, wenn es nicht im Grunde genommen die allgemeine Gesinnung des Alterthums, und nicht etwa ein Privateigenthnm der Juden wäre. Denn leider bezeugt die Geschichte, daß der eigentliche Religionsfanatismus lediglich mit dem und durch das Christenthum in die Welt gekommen ist. Was bei den Juden etwa von diesem Laster zu finden ist, ist lediglich Reaktion." Da habt Jhr's alle, die Ihr es Euch etwa noch einfallen lassen wollt, das Christenthum lehre Toleranz und habe der Welt zu etwas Anderm als zürn „NelLgionsfanatismus'^ gedient. Toleranz ist ja nur bei den deutschen Jrrden zu finden, die sie aus dem Judenthum und Heidenthrrm geschöpft haben. Die Allg. Z. d. Judenth. sagt es, und der wird doch etwa nicht Jemand zu widersprechen wagen? Behüte, der würde sich des Lasters der Intoleranz schuldig machen. — Ob mm aber diese Beweisführung einen vernünftigen Menschen, sei er Jude oder Christ, überzeugen wird von der Richtigkeit des aufgestellten Grundsatzes, das steht freilich auf einem andern Blatte. Dieß Blatt erscheint monatlich in einem Bogen und kostet der Jahrgang 15 Sgr. Bestellungen nehmen, außer dem Herausgeber selbst, alle Buchhandlungen an. . GedruSt und in Commission bei Trowitzsch und Sohn in Frankfurt a. d. O.