Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554542-2554549--00104-2555873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
93 Zweck gleichgiltig sei», genug daß wir wissen Zesaias, Micha und Jeremias verheißen auch den Heiden messianisches Heil. Nehme man hierzu noch die Stellen, in welchen der Messias als ein Fürst des Friedens geschildert wird (Zes. 9, 6.), der nicht mit irdischen Waffen streiten,, sondern durch eine Lehre des Friedens wirken soll (Sach. 9, 10.), nach dem die Heiden fragen werden (Zes. 11, 10.), so wird man auch Stellen wie Amos 9, 12. nicht auf ein leibliches Besitzen durch Unterjochung beziehen, sondern in den geistlichen Sinn eindriugen, wonach cs die Aufnahme in das Reich Gottes durch die aus der Predigt des Evangeliums kommende neue Geburt (Ps. 87, 4. 5.) bedeutet. rungsweise die Worte des Verses 11. sehr gedreht werde» müssen um eine Uebersetzung herauszubringen, gegen welche die Grammatik keinen Einspruch erhebt. Eine Verbindung, die der richtigen nahe kommt, hat schon Aberesra versucht indem er in V. 12. Worte des falschen Propheten steht, aber seine Erklärung des 13ten Verses (dem würde das Volk folgen, wie die Heerde dem Leithammel), scheitert an den letzten Worten dieses Verses (und der Herr an ihrer Spitze), auch erklärt Abenesra noch die Worte £|vi0D durch Prophet für das Volk, fassen wir aber diese Worte in ihrer natürlichen Verbindung Qyn als Subjekt und als Prädikat und Participium, so entsteht folgende Uebersetzung: Wenn ein Mann, nachgehend dem Winde und der Täuschung, löge (lügenhaft weissagte und spräche:) Ich will dir weissagen zu Wein und starkem Getränk, da würde dieses Volk auch weissagen (und rufen:) Ich will dich sammeln Jacob, u. s. w. — Vers 12 und 13. find dann entweder geradezu Worte solcher Propheten, wie wir 150 Jahre früher Micha, dem Sohn Jemla gegenüber, eine ganze Schaar finden (1 Kön. 22.) und au denen es auch noch zu Jeremias Zeiten (Jer. 13, li.) nicht fehlte z oder es find wenigstens gemißbrauchte Worte eines wahren Propheten, welche das Volk in seinem unbekehrten Zustande fich fälschlich aneigncte. Doch scheinen die Worte Cap. 3, 3 — 8. für die erstere Ansicht zu sprechen. — Haben wir sonach schon in der Stelle 2, 12. 13. eine Beziehung auf fremde Prophezeihung, welche verworfen oder wenigstens als dem damals gegenwärtigen Geschlcchte nicht geltend dargestellt wird; so liegt es sehr nahe anzunehmen, daß die Worte zu Anfänge des 4ten Capitels nicht dem Micha ursprünglich angehören, sondern seinem Zeitgenossen Jesaias entlehnt find, um dieselben zu bestätigen und aus denselben das Volk über das, was der Herr vorhabe, zu belehren.