Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554542-2554549--00101-2555870- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
90 lernen, daß in diesem ganzen 49sten Capitel Dinge enthalten sind, welche nach blöß menschlicher Ansicht und Bermuthung Niemand Voraus wissen konnte und daß mithin auch die Erklärungsart zu verwerfen sei, welche die Aechthcit des Textes zwar annimmt, aber doch in den letzten Worten des sterbenden Patriarchen keine wahrhafte von Gott eingegebene Weissagung sehen mag, sondern nur eine auf die Erkenntniß der. individuellen Beschaffenheit seiner Söhne begründete Vorahnung des künftigen Looses der von ihnen ausgehenden Stämme. Ohne göttliche Erleuchtung wäre es unmöglich gewesen, so specielle Dinge, als unser Capitel an verschiedenen Stellen enthält, so lange vorherzusagen. War aber göttliche Erleuchtung wirksam, so kann eine Auffassung der Worte des 10ten Verses, nach der dieselben nicht eingetroffen wären, unmöglich bestehen. Etwas Uneingetroffenes aber enthalten die Worte, man mag sich drehen wie man will, sobald man unter n1T'!2f nicht den geistlichen Friedebringer, sondern den irdischen Frieden, den ruhigen Besitz des Landes versteht. Auch die vom Gehorsam der Völker handelnden Worte sind nach dieser Erklärung nicht ringetroffen, denn die Uebersetzung: „Und ihm hängen die anderen Stämme an" ist völlig willkürlich, D'ÜJJ sind Völker und nicht Stämme. Wenden wir uns nun von Moses zu den späteren Propheten, um zu sehen wie durch die ihnen zu Theil gewordenen Offenbarungen die ursprünglichen Verheißungen weiter bestimmt und erklärt worden sind, so begegnen uns eine große Anzahl von Stellen, in denr« nur Israel allein Heil und zwar äußerliches, irdisches, verheiße« wird unter der bald ausdrücklich ausgesprochenen, bald stillschweigend hinzugesctzten Bedingung des Gehorsams gegen den Herrn ihren Gott und seine Gebote. Allein diese Stellen gehören, wie schon früher bemerkt, gar nicht zu den messianischen, können also dagegen, daß die Propheten nach christlicher Lehre einen persönlichen Messias und Heiland der Welt verheißen haben, nichts beweisen, denn sie stnd nicht Ausführung und Erklärung der auf den Messias und das durch ihn kommende Heil bezüglichen Ver-