Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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85 einer solchen bildlichen Erklärung die Bestrafung der Schlange sich rechtfertigen lassen? Diese wäre ja dann ganz unschuldig gewesen.. Oder wie hätte Eva sagen'dürfen, daß die Schlange sie betrogen habe? Dies sind die äußern Schwierigkeiten der bildlichen Erklärung, erwägen wir nun auch noch die inneren. Wenn durch das bloße Ansehen eines Vorganges wie das Essen der Schlange von dem Baume, böse Begierden und Gedanken geweckt werden sollen, so muß nothwendig schon ein bereits befruchteter Keim des Bösen vorhanden sein, die Begierde muß im Herzen schon schlrumnern und nur eines Anlasses bedürfen um hervorzubrechen. So ist jetzt der Zustand der Menschennatur. Aber dürfen wir ihn als den normalen anschen und uns die ersten Menschen als von Anfang an in demselben befindlich vorstellen? Wir wissen wohl was ältere und neuere Philosophen darüber gesagt haben und wie sie sich bemühen, den Gedanken zu rechtfertigen, daß Gott selbst dem Menschen ursprünglich eine böse Lust ancrschaffen habe. Aber wir wissen auch, daß nicht aus einem Brunnen süß und bitter quillt und daß nimmermehr Gott der Urheber alles Guten auch der Ouell des Bösen sein kann, und die Schrift sagt uns positiv, der Mensch sei zum Bilde Gottes erschaffen, also nicht mit zwei Trieben (wie sogar aus dem doppelten Jod des in 1. Mos. 2, 7. erweisen will), sondern nur zum Guten geneigt und mit Wohlgefallen an demselben erfüllt. Kann also nicht erwiesen werden, daß schon in den ersten Menschen, so wie sie auS Gottes Hand hervorgingen, derselbe böse Trieb gelegen habe wie in uns, die wir in Sünden empfangen und geboren sind, lehren vielmehr Schrift und Vernunft uns das Gegentheil, so kann auch nicht eine bildliche Erklärung des in Kap. 3. B. 1 bis 6. erzählten Vorganges angenommen werden, sondern wir müssen bei der schon B. , der Weish. 2, 24. Zoh. 8, 44. Offenb. 12, 9. 20, 2.-*) angedeuteten und von der christlichen Kirche angenommenen Auslegung stehen bleiben, wonach die bösen und verführerischen Gedanken sich nicht selbstständig aus dem eige- *) Auch Röw. 16/ 20. enthalt eine deutliche Anspielung auf unsere Stelle.