Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Schlange ist ja so klug, ist das nicht eine Folge ihres Essens von dem Baume? Za gewiß, so ist es, der Baum tödtet nicht, sondern macht klug und Gott hat uns denselben nur aus Mißgunst so schrecklich geschildert! Da aß sie und gab auch ihremManne. Allein diese Erklärung, welche das Wunderbare und Auffällige der Erzählung hinwegschaffcn will und Alles so platt und eben macht als wäre es eine Geschichte aus dem achtzehnten Jahrhundert, behält doch für das Auge eines jeden unbefangenen Benrtheilers so auffallende Mängel, daß wir uns unmöglich werden entschließen können, sie als richtig anzunehmcn. Wenn es so gewesen ist wie ihr uns sagt, wenn die Schlange nicht gesprochen, sondern Eva nur etwas bei ihrem Essen gedacht hat, warum erzählt es dann die Schrift nicht so wie es gewesen ist, sondern anders? An dieser Frage muß jene sogenannte natürliche oder bildliche Erklärung bei einem jeden Ausleger scheitern, der nicht um jeden Preis seine eigene Meinling und Ansicht in die Schrift hineintragen, sondern wie cs ihm als Ausleger zukommt die Meinung des Verfassers, den er erklärt, finden und rein darstcllcn will. Die Schrift erzählt von einem äußeren Vorgänge, von einer von außen an Eva herangebrachtvn Versuchung, Lurch welche der Zweifel an der Weisheit des göttlichen Gebotes ihr erst cirigcfiößt wurde, jene Erklärung aber macht bloße Gedanken der Eva daraus. Zn der That ein neues Wunder, ein exegetisches! Haben wir denn etwa hier ein Erzeugniß lyrischer Poesie vor uns, in welchem innere und äußere Vorgänge nicht unterschieden werden? Zst es nicht vielmehr schlicht erzählende Prosa? Oder wäre diese Prosa so unbeholfen, daß sie den Unterschied zwischen dem, was Zemand bei der That eines Anderen dachte und dem was er demselben sagen hörte, nicht auszudrücken vermöchte? Man sehe nur V. 6., so wird ma>i finden, daß in unserer Erzählung selbst dieser Unterschied gemacht ist und man wird zugeben, so gut hier das was Eva dachte als von ihr gedacht und als nicht von der Schlange gesprochen dargestellt wird, eben so gut hätte es in der ganzen Erzählung geschehen können, und geschehen müssen, wenn es nur Gedanken Evas und nicht Worte der Schlange gewesen wären. — Wie würde ferner bei