Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554542-2554549--00094-2555863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
83 Paradiese, sondern der eigentliche Schade, der ihnen widerfuhr, war der Verlust ihrer Unschuld, des ihnen anerschaffcnen Ebenbildes Gottes selbst, denn durch ihre Sünde war ja ihr ursprüngliches Verhältniß zu Gott getrübt und der Anspruch auf ein ewiger seliges Leben bei ihm verwirkt. Aus seinen Kindern, aus Geschöpfen, die im Gehorsam gegen ihn und in Gemeinschaft mit ihm leben und seiner Liebe sich getrösten sollten, waren sie freche Empörer gegen seine Majestät, Kinder des Satans geworden, der sie verführte und nach dessen Eingebung sie handelten. Denn obgleich die Schrift des Satans in dieser ganzen Erzählung keine ausdrückliche Erwähnung thut, sondern Alles nur so darstellt wie es äußerlich erschien, ohne die innerlich wirkenden unsichtbaren Kräfte zu enthüllen, so zeigt sich doch aus dem, was sie von dem ganzen Verlaufe der Sache uns mittheilt, daß es nicht die Schlange allein war, welche das böse Werk der Verführung unserer ersten Aeltern vollbrachte, sondern daß sie nur das Werkzeug eines Andern war, der durch sie handelte und dem sie sich in willigem Gehorsam ergeben hatte. Oder wollte etwa Jemand im Ernste behaupten, daß eine gewöhnliche natürliche Schlange das Vermögen besessen habe zu sprechen oder ein so teuflisches Werk, als die Verführung der Menschen war, zu erdenken? Es heißt zwar von ihr, daß sie listiger war als alle Thiere des Feldes, aber durch diese Vergleichung wird ihr weder die Gabe der Sprache noch ein so hoher Grad der Bosheit zugeschrieben, sondern nur erklärt, wodurch sie rin Werkzeug des Satans zu werden geschickt war und wohl auch warum Eva, welche die Kräfte der sie umgebenden Natur noch nicht so genau kennen mochte, sich über das Sprechen der Schlange weder verwunderte noch de» dämonischen Ursprung desselben sogleich crrieth. Oder will man das Sprechen der Schlange nicht eigentlich, sondern nur bildlich verstehen? Man könnte dann die Erzählung der Schrift so fassen: Eva sah eine Schlange, welche von dem Baume der Erkenntniß des Guten und Bösen ohne Schaden genoß und da entstanden in ihr selbst die zweifelnden, gegen Gottes Güte und Wahrhaftigkeit sich auflehnenden Gedanken: sollte der Genuß wirklich schädlich sein? Die 6 *