Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Er meint: 1. Die ganze Art der Wirksamkeit der großen Partei in der evangelischen Kirche, welche, gefördert durch den Staat, es sich zur Aufgabe gemacht hat, so viel Juden als möglich zu bekehren, sei mild gesagt (!) eine nutzlose, wenngleich er nicht verkennen will, daß diesen Bestrebungen christliche Liebe zum Grunde liegt. Aber warum nutzlos? Weil durch Unterricht allein oder vornehmlich wohl nie ein Volk von seiner Religion (se. zu einer andern) bekehrt worden. (S.3.) Die Behauptung der Nutzlosigkeit ist aber, mild gesagt, sehr gewagt, denn eine Menge segensreicher Thatsachcn widersprechen derselben. Will P. L. sich davon überzeugerl, so verweisen wir ihn hier nrrr auf die gediegene, in französischer und deutscher Sprache bereits viel gelesene Schrift des edlen Pastors Gaussen in Genf „die Juden rurd die Hoffnung ihrer baldigen Wiederherstellurrg vermittelst des Evangeliums." Karlsruhe bei Macklot 1843. Aus ihr erhellt, daß durch die in Rede stehenden christlichen Vereine das Jrlteresse für das leibliche und geistliche Wohl der Israeliten vielfach geweckt worderl. Nrrr eine Thatsache wollen wir hier anführen. Es lvar der hochherzige Engländer Lewis Way, der die Bekehrung Israels zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte, und seine Ruhe, seirr Vermögen, seine ganze Lebensthätigkeit dafür einsetzte, welcher im Jahre 1817 dm damals in Aachen zum Kongreß versammelten Monarchen eine christlich-ernste Denkschrift über die Verbesserung der Lage der Juderr vorlegte und deren Sache dort fi'rhrte. Die von den damals in Aachen vereinigten Ministern der verschiedenen dort repräsentirten Höfe ertheilte Antwort, welche zugleich mit dem Memorial Schreiber dieses noch von dem seligen Way selbst erhalten hat, beweist, daß dessen Worte Berücksichtigung gefunden haben, und was seit dem siir die Verbesserung der Lage der Israeliten in mehrfacher Hinsicht geschehen, dürste wohl durch ihn mit angeregt worden sein. Sehen wir nun ferner, welche wichtigen Werke seit jener Zeit veröffentlicht, welche vorzüglicher: Anstalten zum Besten der Israeliten gegründet worden (Gaussen S. 38. u. f.), rmd zwar in verschiedenen Theilen der bekannnterr Welt, wie viele Juden vermittelst dieser Werke und Anstalten wirklich urrd gründlich zrun Christenthum bekehrt worden, so stellt sich die Behauptnrrg, daß das Streben der in Rede stehenden Vereine nutzlos sei, als alles Grundes entbehrend heraus. Es ist indeß zur Entschrrldigurrg des Hrn. P. L. gern anzunehmen, daß er mit der von ihm besprochcnerr großen Angelegenheit nicht völlig bekannt sei, da er sonst gewiß seine Behauptung nicht aufgestellt hätte.— Wenn er aber ferner sagt, daß durch Unterricht nie ein Volk bekehrt worden, so ist schwer zu erkennen, wie hiermit der Auftrag Christi an seine Jünger, Matth. 28., 19.: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie rc.," zu vereinbaren sei. Auch wir wissen, daß die Gnade Gottes die Lehre des Evangeliums und den Unterricht in derselben beftuchten muß, wenn der Mensch wirklich bekehrt werden soll, aber der Unterricht bleibt doch das Mittel, auf welches wir allein